Freitag, 30. Juli 2010

Winke winke aus dem Mikrokosmos

Dieser Beitrag ist dem Kartellblog gewidmet, der sich bedauerlicherweise aus Jurablogs verabschiedet hat. Ich habe dem Kartellblog sogleich meine Gefolgschaft auf Twitter angetragen und hoffe, so trotzdem auch in dieser Hinsicht auf dem Laufenden zu bleiben. Die Motive für den Abgang sind dann aber vielleicht doch einen Kommentar von dieser Seite aus wert.

Wie wir wissen, sind die Geschmäcker unterschiedlich und das ist gut so. Ich konsultiere Juragblog auch fast täglich, orientiere mich fast ausschließlich an den Überschriften und gerate dabei erstaunlicherweise fast immer auf dieselben fünf oder sechs Blogs. Das muss an der Art der Überschriften liegen. Anderen gefallen hoffentlich andere Überschriften. Sonst wäre die hier zu findende Vielfalt vergebens.

Was mir aber partout nicht einleuchten will ist, wie einige Menschen diese Vielfalt als negativ empfinden können. Wenn der Betreiber des Kartellblogs von einem Mandanten angesprochen wird, wo er "denn da hineingeraten" sei, dann kann ich seine Entscheidung nachvollziehen. Traurig, aber von nachvollziehbaren Prioritäten geleitet. Die Auffassung des Mandanten kann ich da schon sehr viel weniger nachvollziehen: Mag er sich doch daran ergötzen, dass SEIN Rechtsanwalt wie ein Turm aus der Schlacht ragt.

Noch weniger verstehen kann ich aber die unter den Kommentaren zu findenden Rufe nach einer Zensur, genannt Auswahl. Die Selektion sollten wir dann doch lieber der Evolution und dem Nationaltrainer überlassen. Andernorts hat man nur schlechte Erfahrungen damit gemacht. Weil man sich nämlich erst einmal darauf einigen müsste, nach welchen Kriterien ausgewählt werden soll.

Und dieses Kriterien verstehen sich mitnichten von selbst, auch wenn einige Kommentatoren das zu glauben scheinen. Hier möge sich insbesondere ein Kommentator im Abschiedsbeitrag des Kartellblogs angesprochen fühlen, der sich "Meister" nennt. Jeder mag seine Lektüre danach wählen, was ihm "Mehrwert" bringt - auch ich kenne Blogs, die mir keinerlei Mehr- oder sonstigen Wert bringen. Die lese ich manchmal trotzdem, um zu überprüfen, ob ich mich vielleicht geirrt haben könnte. Wenn man sich für einen kompletten Mikrokosmos nicht interessiert, bitte: Es gibt doch genug andere.

Die Einführung einer Geschmackspolizei mit einem durchsetzungsstarken An-Führer erscheint mir hingegen dem Gedanken des Netzes eher diametral entgegengesetzt zu sein.


Kommentare:

  1. Sie sagen sie geraten immer auf die gleichen 5-6 Blogs, und sagen das wäre Vielfalt? Das verstehe ich aber nicht muss ich gestehen.
    Fakt ist, diese 5-6 Blogs prägen dadruch das Bild von Jurablogs, und gerade diese Blogs repräsentieren nun nicht mal das, was ein sich ein seriöser, halbwegs gebildeter potentieller Mandant unter einem Anwalt vorstellt.

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  2. Gut angefangen, schlecht geendet.

    Vielfalt auf JB ist leider nur auf dem ersten Blick vorhanden. Fachlich interessante Diskussionen trifft man selten. Gut schreiben kann auch nicht jeder Blog-Autor, es gibt viele inhaltslose Beiträge und noch mehr Selbstbeweihräucherungsbeiträge. Manche Autoren versuchen gar mit möglichst vulgären Überschriften Kundschaft zu gewinnen.

    Man merkt halt, dass sich Blogs als Medium in Deutschland noch in der Anfangsphase befinden.

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  3. @Anoym
    Vielfalt? Mein Supermarkt hat 29 Sorten Brot, ich kaufe aber immer nur Toast. Und dann hat der Laden keine Vielfalt? Aha.

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  4. @anonym: Wenn halbwegs gebildete potentielle Mandanten sich Anwälte vorstellen, kommt mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Klischee heraus...

    Da sind mir tatsächlich kompetente Anwälte lieber. Und Kompetenz erkennt man zwischen den Zeilen, nicht am Hochglanz des äusseren Anscheins.

    Wer Gleichförmigkeit will, wird halt mit Langeweile bestraft. Gut so.

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  5. Wie es scheint, erwarten Einige (die sich auch hier zu Wort gemeldet haben) on jurablogs eine aktive Hinführung zu den Themen/Blogs/Personen, die von ihnen bevorzugt werden.

    Selber entdecken wollen diese Menschen nicht.
    Selber Erfahrungen machen, gute wie weniger gute, und aus ihren eigenen Erfahrungen lernen und Konsequenzen ziehen, wollen diese Menschen nicht.
    Geleitet werden wollen sie. Nur das wahrnehmen, was Andere schon vorgekaut haben.

    Was müssen das für arme Menschen sein.
    Gesetzt den Fall, daß es sich bei diesen tatsächlich um Rechtsanwälte handelt, möchte ich deren Klient nicht unbedingt sein.

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