Montag, 31. Mai 2010

Die Juristenkarriere

Bei dem Kollegen von "Mord ist mein Beruf" bin ich hier auf eine schöne Darstellung der wirtschaftlichen und beruflichen Situation von Juristen gestoßen. Und dieses Situation hat sich bei im wesentlichen gleichen Voraussetzungen in den letzten Jahrzehnten umgekehrt:

  • Früher wurden die Juristen mit den besten Examina selbständige Rechtsanwälte.
  • Die etwas schlechteren gingen in die Verwaltung.
  • Die übrigen wurden Richter.
  • Wer das zweite Examen nicht geschafft hatte, ging als Jurist in die Wirtschaft.
  • Wer das erste Examen nicht geschafft hatte, ging als Sachbearbeiter zu einem Versicherer.

Heute werden die Juristen mit den besten Examina

  • wenn sie nicht unternehmerisch denken, Richter oder Staatsanwälte,
  • wenn sie unternehmerisch denken, Rechtsanwälte in einer Großkanzlei.
  • Die etwas schlechteren werden Juristen in der Wirtschaft oder Sachbearbeiter bei Versicherern.
  • Der Rest - etwa 85 % - macht sich als Rechtsanwalt selbständig, obwohl er das nie gelernt hat.
  • Wer das zweite Examen nicht geschafft hat, wiederholt es solange, bis er es geschafft hat.
  • Wer das erste Examen nicht geschafft hat, beginnt ein Zweitstudium auf Lehramt.
Das Ergebnis sind

  • viele völlig unzureichend qualifizierte Einzelanwälte,
  • lauter Richter und Staatsanwälte mit Sicherheitsdenken und Beamtenmentalität,
  • völlig überqualifizierte Sachbearbeiter,
  • unmotivierte Lehrer

Was ist da bloß schief gelaufen?

Kommentare:

  1. Vielen Dank für die prägnante Zusammenfassung. Kurz vor den schriftlichen Prüfungen im zweiten Examen gibt das zumindest ein wenig Hoffnung.

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  2. Da ich ja nun noch nicht so alt bin, um die Situation vor ein paar Jahrzehnten aus eigener Anschauung wiedergeben zu können, mal die Nachfrage: Auf welche Quelle stützt sich die "früher"-Beschreibung?

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  3. @Flake McKay: Und, der wievielte Anlauf ist es? ;-)

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  4. Auch beim zweiten Examen sollte spätestens der zweite Schuss sitzen. Für den dritten Anlauf bleibt nur der Gnadenweg.

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