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Montag, 25. Oktober 2010

Eine systematische Verblödung

Es gibt Rechtsprobleme, die sind einfach keine. Im Internet gibt es besonders viele davon und etliche davon haben mit Datenschutz zu tun oder dem, was einige Leute dafür halten.

Derzeit diskutiert man unverständlicherweise aufgeregt, ob ein mehr oder minder berühmter Blogger öffentlich Spekulationen über die Identität von Kommentatoren anstellen darf. Diskutiert wird dieses Nullproblem hier beim Kollegen Kompa, hier beim Kollegen Stadler und hier bei Dirk von Gehlen, dem Redaktionsleiter von jetzt.de (SZ) .

Nachvollziehbar ist das alles nicht. Warum sollte ein Autor keine Spekulationen darüber anstellen dürfen, wer hinter dem Zeugs steckt, das anonyme Leser so unter seine Texte schreiben? Noch dazu, wenn man es so zurückhaltend und ausgewogen tut, wie es der betroffene Blogger hier tut. Gegen welches Gesetz sollte das verstoßen? Gegen das BDSG sicher nicht, und sonst wäre mir auch keine Norm ersichtlich.

Anders herum wird ein Schuh daraus: Wer meint, seinen Senf irgendwo dazugeben zu müssen - und das sind im Internet fast alle - der sollte das gefälligst unter seinem eigenen Namen tun, damit man ihn anreden kann. Diejenigen, die anonym schreiben, werden wissen warum. Wer unter seinem Geschreibsel seinen Namen nicht lesen will, der muss sich fragen, warum er es dann nicht lieber gelassen hat.

Also liebe Blogger und Kommentatoren: Alles halb so wild! Außer vielleicht dem Kommentar eines - namentlich sich zu erkennen gebenden - Rechtsbloggers, der in seinem Kommentar den Niggemeier zum Niggermeier gemacht hat. Oder war das etwa ein Schreibversehen, Herr Kollege?

Mittwoch, 28. Juli 2010

Warum die Blog-Kultur vielleicht noch keine ist

Der Kollege Neldner ist der Auffassung, es gebe zu wenig juristische blogs.

Kollege Krieg hat zuvor mit fünf Thesen provozieren wollen, die zusammengefasst darauf hinauslaufen, dass es kaum Blogs mit wissenschaftlicher Relevanz gebe. Mit seiner These, dass Großkanzleien sich auf diesem Gebiet kaum engagierten, betreibt er ansatzweise Ursachenforschung; seine weitere These, dass Blogs nicht zum gesellschaftlichen Diskurs beitrügen, stellt dagegen eine Art Folgenabschätzung dar.

Zumindest mit seiner Ursachenforschung bin ich nicht einverstanden. Mir ist nicht klar, warum bloggende Großkanzleien zu einer Veränderung der Situation beitragen sollten, zumal der Kollege selbst als weiteres Manko aufzählt, dass bei den existierenden Blogs die "Marketingveranstaltungen" überwögen. Dieses Problem dürfte sich bei Teilnahme von Großkanzleien eher verschärfen. Dass Großkanzleien sich hingegen in eine politische Diskussion einmischen, dürfte kaum zu erwarten sein, solange dies nicht seinerseits eine Werbewirkung entfaltet.

Der Tenor des vielzitierten Artikels in der FAZ scheint mir da eher in die Irre zu führen: Die dort vermisste Verfassungsdebatte führen in den USA z. B. Supreme-Court-Anwälte; einige davon bedienen sich hierzu auch eines blogs. Jeder macht halt Rechtspolitik dort, wo es ihn betrifft.

Es sind hierzulande und zur Zeit gerade die Einzelanwälte, die Blogs als Plattform nutzen, um einen - wenn auch bescheidenen - gesellschaftlichen Diskus zu starten. Zumindest verstehe ich meinen eigenen Blog so und weiß von etlichen Kollegen, die dies ähnlich sehen. Allein die Reaktion ist bemerkenswert. Liest man beispielsweise in dem in mancher Sicht herausragenden Blog des Kollegen Vetter die Kommentare, dann schwant mir etwas anderes:

Nicht den Bloggern fehlt es an Diskurskultur, sondern anscheinend dem Netzvolk an sich. Selbst bei großartiger Aufbereitung einzelner Themen - außerhalb einer reinen Fachdiskussion - erreicht kaum ein dort zu lesender Kommentar die Mindestanforderungen an eine akzeptable Gesprächskultur. Es herrschen rüde Beleidigungen und unsachliches Gepöbel vor, wohlgemerkt: Einige wenige hochwertige Beiträge gibt es auch unter den Kommentaren, aber die sind deutlich in der Minderzahl. Das beginnt damit, dass selbst offenkundig als Richter oder Staatsanwälte tätige Kommentatoren ihre Kommentare anonym abgeben und dabei nicht selten etwas tun, das sie bei anderen als Beleidigung, Üble Nachrede oder Verleumdung verfolgen würden.

Zu einem gelungenen Diskurs gehört einer, der ein Thema anstößt; und es gehören Leser dazu, die den Faden aufnehmen und weiter diskutieren- und nicht etwa dem Autor erst einmal schreiben, was für ein blöder Hornochse mit was für einer abstrus falschen Sondermeinung er sei. Das geschieht leider völlig unabhängig von der juristischen, literarischen oder wissenschaftlichen Qualität der Blog-Beiträge, einfach so.

Vielleicht sollten sich alle Beteiligten zunächst einmal um guten Stil bemühen. Möglicherweise folgt die gesellschaftliche Akzeptanz von Blogs dann von selbst.

Mittwoch, 21. Juli 2010

Ich bin BILD!

Man glaubt es kaum: Es gibt Menschen, die diskutieren über blogs.

Und einen gibt es, der stellt die Top Ten bei Jurablogs auf eine Stufe mit der BILD-Zeitung! Schön wäre es. Immerhin hat die BILD-Zeitung täglich MILLIONEN Leser, ich nur 130. Sollte ich mich deshalb jetzt geehrt fühlen? Ich glaube nein.

Denn der Autor meint das natürlich wieder nur negativ. Von wegen Stil und so. Der soll ja bei der BILD-Zeitung nicht so doll sein. Aber dagegen wehr' ich mich jetzt! Denn zum einen ist Stil Geschmacksfrage. Zum anderen aber geht es aber auch um den Inhalt.

Und mancher kann in einem Halbsatz mehr Inhalt vermitteln, als vorgeblich wissenschaftliche Elaborate auf einem dutzend Seiten. Beispiele gibt es genug. Haben Sie zum Beispiel schon einmal die Promotionsschrift über die Geschichte des Tags der deutschen Einheit gelesen? Da lesen Sie viel, lernen nichts, und der Autor hat doch einen Doktortitel dafür gekriegt. Dagegen lob ich mir doch manche BILD-Zeitung.

Also liebe bloggenden Studenten: Etwas weniger Arroganz und etwas mehr Vernunft, wenn ich bitten darf!