Dienstag, 30. November 2010

Während des Rennens das Pferd wechseln?

Wie beispielsweise hier der Presse zu entnehmen ist, wurde nach dem Mandant des Kollegen Birkenstock auch das Mandat des zweiten Verteidigers von Jörg Kachelmann beendet. Auch in den strafrechtlichen Blogs hat man sich auf das Thema gestürzt, z. B. hier, hier und hier. Die Welt spricht davon, Kachelmann wechsele seine Verteidiger aus, weil er eine neue Strategie plane. Deshalb hätte er auch den Verteidiger Klaus Schroth "gefeuert". Der Kollege Melchior meint, Birkenstock hätte "das Handtuch geworfen".

Zutreffend ist daran offenbar, dass zwei der bisherigen drei Verteidiger nicht mehr für Jörg Kachelmann tätig sind. Der Rest dürfte der Phantasie und dem Wunschdenken der (Krawall-) Presse entsprungen sein. Denn keiner der Verteidiger hat sich bisher dazu geäußert, auf wessen Initiative die Beendigung des Mandats erfolgte. Wegen des Mandatsgeheimnisses dürften sie sich hierzu auch gar nicht äußern.

Kachelmann selbst täte auch gut daran, hierzu nichts zu sagen. Denn wenn seine Verteidiger das Mandat von sich aus niedergelegt hätten, wäre das tatsächlich ein herber Schlag für ihn. Weil man sich sein Teil dazu denken würde. Wenn er selbst gekündigt haben sollte und damit tatsächlich den von der WELT behauptete Taktikwechsel anstrebte, täte er wohl gut daran, die neue Taktik längst möglich für sich zu behalten. Das wirklich Interessante werden wir also nie erfahren, sondern uns mit den zumeist wüsten Spekulationen der Presse zufrieden geben müssen.

Aus welchen vernünftigen Gründen aber sollte ein Angeklagter in der mündlichen Verhandlung seine Verteidiger auswechseln? Ein neuer Verteidiger muss sich einarbeiten, und ein Taktikwechsel ist meist noch schlechter, als eine als falsch erkannte Taktik weiterzuverfolgen.

Warum also, warum? Nur Alice Schwarzer wird es wissen. Und sie wird es uns erzählten. Ganz sicher.

Kommentare:

  1. Diese staendigen Verteidigerwechsel sind das nervigste an der Strafrechtsarbeit. Und meist liegt es an windigen Strafverteidigern, die unhaltbare Versprechen machen, v.a. bei Knastbesuchen.
    Es wundert mich nur, wenn Herr Kachelmann auf so etwas hereinfiele.

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  2. Die böse Frau hat sich bereits - kompetent natürlich ! - in ihrem Neusprech beim Tagesspiegel (CH) geäußert...
    http://www.tagesanzeiger.ch/panorama/vermischtes/Kachelmann-hat-viel-Energie-investiert-um-Frauen-zu-zerstoeren/story/25656973

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  3. Aus dem zuletzt zitierten Link sinngemäß, der da plötzlich eingetretene Augenkrebs einen weiteren Blick nicht zulässt:

    "....Schwarzer wird 68und gehört zu den führenden Intelektuellen Deutschlands....".

    Da hilft nur noch:

    "Ich bin ein Star, holt mich hier raus!"

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  4. Ja, danke für die Einladung ;-)

    Christoph und Christian wenn das mal nicht eine gefährliche Mischung ist :-)

    Bis Später
    Chris

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  5. RA Schroth hat sich nunmehr dann doch geäußert - Schweigepflicht hin oder her - und recht deutlich gemacht, daß die Mandatsbeendigung nicht seine Idee und schon gar nicht abgesprochen war.

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  6. Und der Kollege Schwenn hat sich auch bereits über seine Strategien öffentlich geäußert.

    http://www.cicero.de/97.php?ress_id=%204&item=%205609

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