Dienstag, 1. Februar 2011

Enteignet Google!

Diese Überschrift habe ich mir nicht selbst ausgedacht, ich habe sie mir geborgt. Von Peter Ehrlich, dem Leiter des Brüsseler Büros der Financial Times Deutschland, der in der Online-Ausgabe der FTD hier ein Essay unter diesem Titel geschrieben hat. Das Essay - man kann übrigens auch der Essay sagen - das Essay also liest sich ganz schmissig und hat, was es bedarf, um die Geister zu spalten: nämlich Kritik am Ist-Zustand ebenso wie eine einigermaßen revolutionäre Idee, ihn zu ändern; das ganze betitelt mit einer knackigen Überschrift, die den Inhalt derart auf den Punkt bringt, das ich sie einfach übernehmen musste, weil mir keine bessere eingefallen ist.

Einen solchen Beitrag zur Meinungsfreiheit sollte man eigentlich loben. Aber die Internet-Gemeinde ist gnadenlos, wenn man einem der ihren scheinbar an den privaten Kragen will: Der Blog "Neunetz" beispielsweise, der sich im Untertitel immerhin "Wirtschaft und Gesellschaft im digitalen Zeitalter" nennt, zetert wie ein Rohrspatz, nachzulesen hier. Und gießt damit Öl auf das Feuer derer, die eine Regulierung des Internets fordern, schon weil sie den im Internet grassierenden Tonfall einfach nicht mehr aushalten.

Denn wo man eine ernsthafte Auseinandersetzung über eine interessante These (Enteignet Google!) hätte führen können, macht der Autor des Neunetz-Blogs genau das, was Trolls im Internet am liebsten tun, nämlich unsachlich rumpöbeln. Er hat einen nebensächlichen Fehler im Ausgangstext entdeckt (über die Funktion Google Analytics), an dem er sich gnadenlos aufhängt, mutmaßlich um damit zu kaschieren, dass er der Kernaussage des Textes eigentlich nichts Vernünftiges entgegenzusetzen hat. Der Autor selbst ist nicht einmal in der Lage, den Autor des verhassten Essays korrekt zu benennen - er nennt ihn Fröhlich, statt bei seinem richtigen Namen, nämlich Ehrlich. Oder sollte das vielleicht bloß ein Nerd-Witz sein, dem die Pointe fehlt? (Aber dann hätte er sicherlich "Peter Lustig" gesagt.)

Aber egal: Hauptsache, man kann mal wieder so richtig abledern über die ganzen Idioten da draußen, die nicht akzeptieren wollen, dass das Internet das Größte ist, und nur der, der das Internet kritiklos bejubelt, ein Freund ist. Ohne Sinn, ohne Verstand und vor allem: ohne jeden Funken Humor zieht der Internet-Jünger durchs Land und macht platt, was er nicht versteht.

Da stellt sich mir zum ersten Mal ernsthaft die Frage, ob Peter Ehrlich mit seiner Idee nicht vielleicht gar nicht so unrecht hat. Vielleicht sollte man sogar das ganze Internet enteignen. Und sei es, um der pöbelnden Horde den Zutritt verweigern zu können.

Kommentare:

  1. 1,2, 3... an die Suchmaschine: FAZ vom 14.10.2009, Robert Darnton: "Verstaatlicht Googles Buchmaschine!"
    Ich hatte den Artikel aus meinem Archiv (Papier, um Gottes Willen!) vor ein paar Tagen hervorgekramt, weil mir der ergo nicht ganz neue Gedanke, ein - dank guter Dienste - vielleicht zu groß gewordenes Unternehmen zu sozialisieren, lieber ist, als die guten Dienste aufs Schrebergärtnermaß zurückzustutzen. Indes: Fand sich nicht jüngst in der "NJW" ein nachzüglicher Artikel über die partielle Verfassungswidrigkeit von "Streetview"? Die wahren Plattmacher haben im Zweifel Jura, nicht DV studiert.

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  2. Enteignet Google?
    Nehmt dem Nebgen die Tastatur weg!

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  3. Danke für den Hinweis auf den falschen Namen. Keine Ahnung, wie mir das passieren konnte. Ist korrigiert.

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  4. aber Herr Kollege, wie ist denn hier BEitrag zu verstehen? Überprüfen wir mal wieder ein Sprichwort:

    Gewalt erzeugt Gegengewalt, oder um konkret zu bleiben:

    Troll erzeugt Gegentroll!

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  5. Und täglich blöckt das Nebgen!

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