Montag, 21. Februar 2011

Dümmliches Nachtatverhalten

Es gibt Straftaten, die hätte niemand so richtig für voll genommen, hätte der Täter sie nicht anschließend dilettantisch zu vertuschen versucht. Durch tapsiges Nachtatverhalten hat so macher Betrüger erst wirklich auf sich aufmerksam gemacht.

So wird manche Steuerhinterziehung erst dadurch richtig zur Straftat, dass man die zu Tage getretenen Auffälligkeiten ungelenk zu erklären versucht, anstatt an der richtigen Stelle entweder zurückzurudern oder durchzustarten. Wer ohne Fahrkarte vor dem Kontrolleur steht, sollte nicht lang und breit zu erklären versuchen, warum es ihm heute wirklich nicht möglich war, eine Fahrkarte zu lösen, sondern Verantwortung übernehmen. Oder sich nicht erwischen lassen.

Den gleichen Fehler macht jetzt der Herr (Dr.) Karl-Theodor Nicht-Wilhelm Freiherr zu Guttenberg, wenn er seine Schummeleien kleinzureden versucht. Recht hat der Kollege Kompa, wenn er meint, hier wäre ein zeitiges Geständnis die beste Strategie gewesen. Stattdessen müssen wir uns zähe Ausreden anhören, die so unglaubhaft sind wie nur was.

Wer bitte würde sich nicht genauestens daran erinnern, ob er die einleitenden Worte einer Abschlussarbeit sich mühsam abgerungen oder aber anderswo geklaut hat? Wer behauptet, das vergessen zu haben, der lügt. Und ist offenbar der Meinung, alle anderen würden ihm auch den hinterletzen Unsinn abnehmen, wenn man dabei nur gut aussieht. Das zeugt neben einer erstaunlichen Dummdreistigkeit auch von mangelndem Respekt gegenüber den Menschen.

Wer schon bei Kleinigkeiten derart dreist lügt, dem ist bei den wirklich wichtigen Fragen des Lebens erst recht nicht zu trauen. Wer nicht den Schneid hat, einfache Fehler zuzugeben, der wird uns bei großen Fehlern geradewegs in die Katastrophe führen. Und deshalb ist eine Unterstützungsaktion, wie sie gerade auf Facebook für den Freiherrn läuft, blanker Hohn und ein Schlag ins Gesicht ehrbarer Bürger. Abschalten!

Und abtreten, allesamt!

Kommentare:

  1. Abschalten? Geht leider nicht, die Experten für die Abschlatung und Löschung von online-Medien sind in Nordafrika leider z.Zt. unabkömmlich. Sobald sie dort fertig sind, machen sie sich sofort weiter auf nach China, die haben leider das frühere Ticket aufgemacht. Aber danach lässt sich bestimmt noch was einschieben.

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  2. http://www.youtube.com/watch?v=Sb4Qkg0ihlM

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  3. "Verhalten während des Lügens”
    http://tinyurl.com/6jycaau (pdf)

    Zum Vergleich:
    http://tinyurl.com/6hxj95w
    http://www.youtube.com/watch?v=PCn-C6AkLm0

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  4. "Lügt"? Schon mal über Jahre eine Abschlussarbeit geschrieben? Die Sache ist eine Angelegenheit zwischen Uni und Doktorand, wenigstens im Augenblick. Wer sich mal jahrelang an einer Arbeit versucht hat, dem kommt zumindest bekannt vor, dass man kurz vor Abgabe einen Text (zB eine vor drei Jahren verfasste Einleitung) nicht mehr eindeutig zuordnen kann. Der "Vgl."-Fehler passiert dann ebenso leicht wie das völlige Weglassen des Zitats. Beim NZZ-Zitat bspw. ist die Urheberin mit "vgl." referenziert. Das spricht dafür, dass ein ungenauer Aufschrieb vorlag und der Verfasser der Diss es unterlassen hat, nochmals nachzusehen, ob der Text auf irgendeiner Karteikarte nun seiner ist oder mittelbar von der NZZ stammt (in Teilen ist er ja auch umgearbeitet). Sonst hätte er doch die "Aufdecker" geradezu absichtlich auf die Spur geführt - wenig wahrscheinlich. Das alles ist - natürlich - ein Fehler, nur merkbar ohne Täuschungsvorsatz. KTG soll "lügen"? - die Ableitung ist dann doch ein bisschen sehr spekulativ. Wer wirklich in einer wissenschaftlichen Arbeit plagiiert, wird das doch zur "Arbeitserleichterung" tun - sich also bei wissenschaftlichen Kerntexten bedienen. Bei der "Rahmenhandlung" aus Textteilen von FAZ und NZZ handelt es sich nur um journalistische Texte. Da liegt die Spekulation, die Referenz sei im Abgabestress untergegangen (KTG: junger Vater, Diss in Nebentätigkeit - ja, gibt es...), mindestens genauso nahe wie die, KTG "lüge". Man könnte sich also in der Öffentlichkeit auch ein wenig beruhigen und zurücknehmen. Die Hatz ist derzeit nicht recht verständlich (außer mit politischen Motiven) und es ist schade, dass alle juristischen Blogs sich scheinbar unbedingt daran beteiligen wollen. Wollen Sie nicht lieber etwas zur Sicherungsverwahrung oder zur straftrechtlichen Ermittlung zu den Bundeswehrtoten in Afghanistan schreiben?

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  5. Ich musste herzlich lachen Herr Reuter, das ist doch wirklich eine Argumentation wie man sie sich von einem Arbeitsrechtler wünscht.

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  6. @Anonym - dann hat es ja wenigstens Unterhaltungswert (haben die Guttenberg-Bashing-Seiten überwiegend leider nicht). Arbeitsrecht ist übrigens das einzig wirklich interdisziplinäre Fachgebiet des deutschen Rechtssystems

    :-)

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  7. Oh ja. Und die Arbeitsrechtler riechen am besten. Und haben die größten Kartoffeln.

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  8. Herr Reuter, ich denke, hier befinden Sie sich auf dem Irrweg.

    Es geht hier inzwischen nicht mehr um einzelnen Ungenauigkeiten. Die Vielzahl der übernommenen Texte indiziert hier eine Planmäßigkeit. Die Alternative dazu wäre wohl auch nicht viel besser, denn wenn es ständig vorkommt, Fußnoten ungenau oder gar nicht gesetzt zu haben und dies nicht vorsätzlich geschehen ist, spricht das für unwissenschaftliches Arbeiten. Dass das dann diese Zitate übrigens vor allem dort auftauchten, wo man von einem Wissenschaftler eigenes Denken annimmt, nämlich bei den Stellungnahmen der jeweiligen Abschnitte, ist natürlich auch noch eine Verschärfung des Vorwurfs. So langsam fragt man sich, ob sich Guttenberg überhaupt wissenschaftlich mit dem Thema auseinandergesetzt hat und nicht nur eine Krise der Ausdrucksfähigkeit seiner Gedanken steckte...

    Das hat dann auch nichts mehr mit Abgabgestress zu tun, wenn die Arbeit wirklich voller "Zitier"-Fehler steckt.

    Es ist ein Treppenwitz, dass eine solche Arbeit mit der höchsten Note ausgezeichnet wurde und dass die Prüfer bereits jetzt schon alle Vorwürfe von sich gewiesen haben. Solches Verhalten dürfte nur allzu menschlich sein. Gleichermaßen zeigt es aber, mit welchen Maßstäben man in Bayreuth (und vermutlich auch anderenorts) misst. KT ist offenbar ein Blender, der nicht nur das deutsche Volk in seinen Bann ziehen kann, sondern auch durch sein rhetorisches Geschick auch Häberle & Co. eingewickelt haben.

    Die Argumentation mit dem Abgabenstress ist natürlich auch inhaltlich höchst widersprüchlich, denn wer sollte ihn zur Abgabe gezwungen haben? Sein soziales Umfeld? Der FB selbst? Für Guttenberg war doch klar, dass er keine wissenschaftliche Karriere anstreben wird. Es gab für ihn keine Notwendigkeit zur Abgabe. Selbst wenn er dann aus dem Annahmesystem herausfällt. Dann hat er nun keine Dissertation abgegeben und ist kein Doktor der Rechte. Wäre das so schlimm? Ich denke nicht. Seinen Anspruch hat er ja offenbar durch ein gutes Staatsexamen bewiesen und seine Stellung im politischen System in Baiern und im Rest der Republik wird dadurch auch nicht berührt.

    Es mag sein, dass er für die Doktorarbeit eine gute Fragestellung und Gliederung entwickelt hat. Aber wenn er den Inhalt unter den gegebenen Möglichkeiten nicht selbstständig auffüllen kann, dann soll ers doch einfach lassen und nicht so hemmungslos "seine" Arbeit mit Fremdmaterial füllen und dann die Prüfungskommission in übelster Form täuschen.

    Nein, hier war der Abgabestress nicht ausschlaggebend. Hier war das Ego ausschlaggebend, sich selbst über die festen Anforderungen zu stellen und im Nachhinein die Öffentlichkeit so schamlos zu belügen. "In mühevollster Kleinarbeit" hat dadurch eine neue Bedeutung erhalten und ähnelt für mich inzwischen der rhetorischen (Nicht)Größe einer "brutalst-möglichen Aufklärung".

    Und Herr Wolf, das Ganze geht natürlich weit über die Grenzen der Guttenbergschen Selbstdarstellung, denn insgesamt leidet der Wissenschaftsbetrieb unter diesem Skandal. Es ist ja bezeichnend, dass man heute von Journalisten schon gefragt wird, ob man selbst ähnlich wie Guttenberg gearbeitet hätte. Das ist eine im Kern ehrenrührige Frage. Aber sie ist natürlich berechtigt, wenn man sieht, mit welcher Verve zuerst Guttenberg die Öffentlichkeit getäuscht hat und dann nach und nach klein beigeben musste. Sowas zieht natürlich einen gehörigen Verlust der wissenschaftlichen Reputation des ganzen Systems akad. Prüfungen mit sich. Genau das ist es aber, dass Guttenberg vollkommen ignorierte und seiner Selbstsucht unterordnete. Der Strafrechtler würde hier von einer billigenden Inkaufnahme vermutlich sprechen.

    Genau aus diesem Gründen ist der Frevel hier so schwerwiegend und genau aus diesem Grund ist die Verteidigung des Malefikanten hier so unangemessen, Herr Wolf.


    Ein anderer Anonymous

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  9. Herr "Wolf" ist aber immer noch der Herr Reuter...KTG scheint die Gemüter ja sehr zu erregen.

    Andreas Fischer-Lescano spart in der KritJ nicht eben mit unwissenschaftlichem Kram (etwa zum - seiner Meinung nach - "Politikersprech" der Diss). Seine eigene Diss wurde in einer Rezension seinerzeit als durchaus (sprachlich) unlesbar bewertet. Entschuldigt KTG nicht. Aber verstehen Sie nicht, dass es eine Übertreibung ist, wenn man einer Diss jedes Zitat vorhält und immer schon Plagiat ruft, wenn - nach subjektiver Meinung des Rezensenten - noch ein paar mehr geistige Urheber der zitierten Meinung als gerade der vom Autor gewählte erscheinen sollten? Nach dem Muster ist z.B. der Plagiatswiki leider gestrickt. Das schadet der Wissenschaft wirklich, denn lauter Nichtwissenschaftler machen sich hier über das wissenschaftliche Arbeiten her.

    Egal: Er hat die Diss ja zurückgegeben. Interessanter für juristische Blogs: Kann man das? Verzicht auf einen rechtswidrigen begünstigenden Verwaltungsakt? Antworten, bitte!

    Falls Sie keine haben: Das GG und die Hessischen Unikliniken sind auch ganz lustig, weil's Arbeitsrecht ist: www.reuter-arbeitsrecht.de

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  10. @RA Wolf J. Reuter, LLM (Leics), ach, Sie wollten nur Werbung für Ihre Seite und Kanzlei machen!? Dann sehen wir ansonsten mal gutmütig über Ihre Beiträge hinweg. Es handelt sich hier übrigens nicht um Arbeitsrecht, sondern um Verwaltungsrecht. Es ist nicht möglich, einen Doktortitel abzulegen. Er wird mit Übergabe der Urkunde verliehen und mit Einzug derselben wieder entzogen.

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