Freitag, 4. Februar 2011

Der Rechtskasper kommt nicht

Jurist und Journalist: Das klingt zwar ähnlich, aber in Wahrheit prallen zwei Welten aufeinander. Wie sehr das (Straf)Recht und die Presse auf Kriegsfuß miteinander stehen, zeigt sich wieder einmal am Fall Kachelmann.

Heute beklagt sich der STERN in seiner Online-Ausgabe darüber, dass der Prozess so langweilig sei. Gerade so, als ob es nicht um die Zukunft des Angeklagten, sondern allein um die Unterhaltung der Massen vor Ort und an den Medien ginge. Es soll sogar schon Buh-Rufe in der Hauptverhandlung gegeben haben. Ein krasseres Missverständnis ist kaum denkbar.

Der STERN spricht von einer "äußerst zähen Veranstaltung", die sich zu einem "Stellungskrieg" entwickelt habe. Strafverteidigung ist Kampf, hätte der alte Dahs gesagt. Da fragt man sich, wie sich der STERN einen Strafprozess eigentlich sonst so vorstellt. Irgendwie ist dieser hier jedenfalls so gar nicht pressekompatibel. Vielleicht liegt das an dieser störenden Prozessordnung, von der dieser merkwürdige Anwalt immer redet. Wie viel der redet! Und wie schlecht man das versteht! Letztens hatte der schon wieder so eine Schachtelkonstruktion, das können wir in unserem Blatt nicht bringen, das versteht wieder keiner!

Das gefällt unseren Lesern aber gar nicht, und die sind schließlich das Wichtigste, das haben die uns auf der Journalistenschule doch immer beigebracht. Kommt wenigstens zwischendurch mal der Rechtskasper vorbei? Alles eine langweilige Show hier. Beim STERN heißt das wörtlich:

"Für den Juristen mag das alles wichtig sein, für den geneigten Zuschauer ist dieses Geplänkel oft schwer zu verstehen."

Gibt es am Schluss wenigstens eine Hinrichtung? Davon könnte man dann zumindest eindrucksvolle Photos machen; das versöhnt den geneigten Leser dann wieder etwas mit der tristen Verhandlung. So wie damals bei Saddam zum Beispiel.

Kommentare:

  1. Das gefällt unseren Lesern aber gar nicht, und die sind schließlich das Wichtigste

    Genau das ist der Punkt. Der "Stern" beachtet lediglich, für wen er schreibt:
    Nicht für ein juristisches Fachblatt, sondern für ein breites Publikum (von Juristen auch als Pöbel bezeichnet).

    Dass solche Respektlosigkeit gegenüber der heiligen StPO für Juristen an Blasphemie grenzt, so what.

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  2. Oh mein Gott...

    Das einfache Volk versteht weder das Juristendeutsch noch -denkweise.

    Oh mein Gott...

    Das Volk kann mit dem Satz "Recht haben und Recht bekommen sind zweierlei!" nichts anfangen.

    Herr Nebgen wandern Sie sofort aus. Was wollen Sie bei so ´nem Volk?

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  3. Meine Zustimmung zu diesem Blogeintrag. Immerhin ist der Stern so ehrlich, die Probleme des Boulevards mit dem Rechtsystem zu erklären (wenn wahrscheinlich auch unabsichtlich). Aber wer liest schon den Stern...

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  4. Jetzt kam der Rechtskasper schon seit Freitag, 4. Februar 2011 02:17 nicht mehr ;)

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