Freitag, 18. Februar 2011

Adels- UND Doktortitel abschaffen!

"Servus, Herr Doktor", wird man in Österreich allenthalben begrüßt, gleich ob promoviert oder nicht. Das ist echte Gleichheit. Da ist der Österreicher einen Schritt weiter als der Bundesdeutsche. Noch einen Schritt weiter, ist man versucht zu sagen - Adelstitel hat er nämlich auch schon abgeschafft, der Österreicher. Da hieß selbst der Pretendent auf den Kaiserthron nur Herr Habsburg.

In Deutschland ist das zwar eigentlich genauso, gleichwohl dürfen Adelsprädikate weiter verwendet werden und jeder Freiherr ist gekränkt, wenn man seinen Blaubütigkeit signalisierenden Appendix weglässt.

Also Deutschland, geht endlich den ganzen Weg: Weg damit! Adel ist von gestern und Doktortitel waren eh stets nur Nachweise dafür, dass man sich einige Monate seines Lebens sinnlos den Arsch breitgesessen hatte. Oder meint etwa jemand, die Promotionsschrift "Die Geschichte des Tags der Deutschen Einheit seit 1954" (gibt es wirklich!) wäre ein ernsthafter Beitrag zur Forschung und nicht bloß Vorwand, ein paar Tausend Euro Einstiegsgehalt mehr zu fordern?

Wie dank Freiherr zu Guttenberg alle wissen, muss man sich für den Doktortitel heutzutage nicht einmal mehr den Arsch breitsitzen. Copy and paste und schwupp: Fertig ist die Diss. Das braucht keiner. Geht lieber arbeiten!

Die Ärzte, die wissen das schon lange; und fragen den potentiellen Promotionsstudenten vor der Themenwahl, ob der Doktor für die Lehre oder nur fürs Schild sein soll. Die dürfen ihren Doktor alle behalten. Schließlich will ich ja auch vom Onkel Doktor behandelt werden, und nicht bloß vom Onkel.

Kommentare:

  1. Ist da jemand neidisch, weil er nicht das Zeug zum Promovieren hat?

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  2. Und demnächst geht wieder das VB-bashing los...
    Übrigens ist der Appendix der "Anhang". Adelstitel werden m.E. ausnahmslos vor dem Familiennamen geführt. Das passt also nicht. Aber sowas weiß man wohl nicht, wenn man nicht promoviert hat.

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  3. @ Anonym: Das freut mich, dass dieser Kommentar gleich als erstes gekommen ist! :-)

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  4. Just pointing out the obvious.

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  5. Die Doktoren werden in Österreich mit "Servus, Herr Professor" verabschiedet So what?

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  6. Lasst Nebgen in frieden! Er hat schon recht mit dem was er sagt. Etwas dick aufgesetzt vielleicht, daher der leichte Neidton. Aber prinzipiell ist was dran, an dem was er sagt.
    Weg mit Dr. & Adels - eh nichts ausdrückenden und nicht bedeutenden - suht-Titeln.

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  7. In Ösiland wurde in Ferien meine Mutter mit "Frau Doktor" angeredet, nur weil mein alter Herr den Dr. Jur. hatte - war ihr immer peinlich.

    Ich bin da bodenständiger und hab was Ordentliches gelernt...

    Obwohl, so ala "Lissi und der wilde Kaiser" mal mit "Herr Inschneehnöööör" angeredet zu werden - würde ja schon in die persönliche Bauchpinsel-Wellness-Oase passen ;-)

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  8. Der Österreicher war konsequenter, weil er die ehemaligen Adelsprädikate auch nicht als Teil des Nachnamens durchgehen liess.

    In Österreich ist der Spuk tatsächlich vorbei.

    In Deutschland sind die ehemaligen Adelsprädikate nun Teil des Nachnamens, aber das wissen 90% nicht und es gibt eine kleine Gruppe, die diesen Umstand für sich ausnutzt. Deswegen quatschen auch ZDF, FAZ und SPIEGEL auch heute noch von Adeligen in Deutschland, obwohl es keinen einzigen mehr gibt: http://fachanwalt-fuer-it-recht.blogspot.com/2010/06/wiederbelebung-des-deutschen-adels-in.html

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  9. Das mit dem "Doktortitel" mag für Juristen und Mediziner zutreffen, für echte Naturwissenschaftler und Ingenieure hingegen nicht. Für diese ist natürlich ärgerlich, wenn man nach 3-5 Jahren echter wissenschaftlicher Arbeit von den meisten mit einem Träger eines deutlicher erworbenen Doktorgrades gleichgesetzt wird.

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  10. Hier muss ich dem Nebgen mal recht geben.
    Mit meinem zweistelligen Prädikatsexamen hätte ich locker das Zeug zum Promovieren und kann wohl behaupten ein besserer Jurist zu sein als viele Doktoren.
    Ich halte es aber für sinnlose Verschwendung von Lebenszeit und sehe darin KEINERLEI Qualifikation.
    Das Neidargument ist aber natürlich nicht von der Hand zu weisen. Ich gebe zu, es pisst mich durchaus an, dass Leute, die mir nicht das Wasser reichen können, durch die zwei Buchstaben vor dem Namen für den Laien kompetenter aussehen als ich.

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  11. Herr Nebgen, als nächstes sollten Sie konsequenterweise auch die Abschaffung der Bezeichnung "Rechtsanwalt" fordern. Denn juristisches Wissen kann man sich ja auch (und erst recht)im Selbststudium aneignen. Wieso sollte man dafür sechs Jahre seines Lebens verschwenden? Habe ich nicht recht?

    Und dass gilt dann natürlich erst recht für die Bezeichnung "Fachanwalt". Das sind doch alles nur Erfindungen der herrschenden Klasse, um den gemeinen Bürger von der Rechtsberatung auszuschließen.

    Ach ja, wo wir schon beim Thema sind: Wie wäre es, wenn man alle schulischen und universitären Abschlüsse ebenfalls abschaffen würde? Namen sind doch bekanntlich nur Schall und Rauch, und ob jemand 13 Jahre seines Lebens den Arsch breit gesessen hat, wie Sie sagen würden, ist doch völlig irrelevant. Abgesehen davon dürften doch auch Abiturienten - ebenso wie Sie es den Doktoren unterstellen - ihr Abitur in erster Linie machen, um "ein paar Tausend Euro Einstiegsgehalt mehr zu fordern".

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  12. Vielleicht sollte man auch dazu übergehen, "16yr single malt" ab jetzt als "aldi blend" zu bezeichnen, der hat ja auch nicht mehr gemacht, als sich über viele Jahre eine größere Qualität anzueignen.

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  13. Sie machen sich hier immer mehr zum Clown, Herr Nebgen

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  14. Der Kollege doppelpräd (hoffentlich wenigstens in beiden Examina, für die Konstanz der juristischen Überleistung) weiter oben hat ja durchaus Recht damit, dass so eine Promotion mitnichten größere rechtliche Brillianz bedeutet, aber Durchhaltevermögen, Verzichtsbereitschaft und akademische Fertigkeiten (außen vor gelassen was Herr KT da fabriziert hat... aber gute Quellenauswahl ist ja auch nicht zu verachten) werden damit defintiv nachgewiesen.
    Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der von der Muse geküsste Kollege nach dem juristischen Doppelschlag (oder dazwischen) einfach keine Lust auf diese sinnlose akademische Eskapade hatte und dies sei ihm auch nicht angekreidet. Dann aber die Promotion an sich und global runterzureden kann auch nur von jemandem kommen, der dieses Tal der Tränen touristisch umkurvt hat. Die Fabelwelt lässt da an das rotbewamste Spitzohr denken, das hochhängende Weinvorformen ungekostet als unbekömmlich diffamiert hat.

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  15. "'Die Geschichte des Tags der Deutschen Einheit seit 1954' (gibt es wirklich!)" - wohl eher nicht!

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  16. Falls es einen der Hochgelehrten interessiert, der Dr. ist genausowenig wie das Adelsprädikat bzw. der sich adelig anhörende Nachname kein Titel. Titel werden in Deutschland vom Bundespräsidenten vergeben. Der Dr. ist der höchste, akademische Grad. ca. 70% der Rechtswissenschaftler werden gar nicht zur Promotion zugelassen, weil sie die entsprechende Voraussetzung, das Prädikatsdiplom, nicht haben. Inwiefern diese Voraussetzung eine Eignung oder Nichteignung für die Promotion ist, mag bezwifelt werden können, da Professoren, Universitäten auch unterschiedliche Anforderungen haben. Desweiteren gibt es, wie oben beschrieben auch Unterschiede in den verschiedenen Studiengängen. Ein Mediziner ohne Promotion ht demnach irgendetwas falsch gemacht, in anderen Bereichen ist die Vorraussetzung ein mehrjähriger Frohndienst bei einem Professor. Warum sollte für diese zusätzliche, akademische Leistung nicht auch mehr bezahlt werden? Aber natürlich gibt es auch hier bei aller Bürokratie keine einklagbare Gerechtigkeit.

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  17. Sehe ich auch so. Es gibt etliche Auszeichnungen und Qualifikationen oder Verdienste welcher Art auch immer. Warum sollen ausgerechnet vordemokratische Herrschafts- und Unterdrückungsverhältnisse in einem besonderen Namensschmuck klangvoll perpetuiert werden. Oder warum soll eine einmalige akademische Leistung als lebenslange Namenszier der doktorierten Bessermenschen herhalten? Warum keine besondere Namensauszeichnung für Lebensretter oder pflegende Angehörige? Warum nicht? Weil es um den Klassendünkel der Oberschichten geht - und der gehört endlich abgeschafft, sowohl die Doktoren wie die "vons"!

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  18. Nichts gegen "Dr." (den muss man sich erarbeiten). Mit "von" wird man geboren und das ist das einzige "Verdienst" desjenigen, wem von Geburt an alle Türen ein wenig "offener" stehen, als einem Bürgerlichen. (Mehr dazu kann man in 'Stern' lesen). Die Chefetagen schmücken sich gerne mit "vons". Einer meiner Bekannten erzählt, dass sein "von" ihm im Leben mehr geholfen hätte, als sein Uniabschluss. Gleiche Chancen für alle? Der Adel abgeschafft, die Privilegien bleiben.

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