Mittwoch, 4. März 2015

Tatsachenfreiheit ist kein Grundrecht


Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten, Meinungsfreiheit halt. Die Meinungsfreiheit hat auch ihre Grenzen, insbesondere in Gestalt der allgemeinen Gesetze. Dummheit und Unbildung gehören nicht zu diesen Schranken, die in Art. 5 Abs. 2 GG abschließend aufgeführt sind.

Trotzdem täte es jedem Diskurs gut, wenn seine Teilnehmer zumindest Grundkenntnisse von der Materie hätten, bevor sie ihre Meinung dazu äußerten. Sonst wird aus einer Meinung schnell dummes Geschwätz. Das ist zwar nicht verboten, aber es verwässert alle qualifizierten Meinungsäußerungen und behindert damit den Diskurs.

Wenn ich mir die Online-Petition zum "Verfahren Edathy" so durchlese, stellt sich mir mehr denn je die Frage, ob es nicht doch Meinungen gibt, die im Kern gar keine Meinungen sind, weil es ihnen an jeder qualifizierten Auseinandersetzung mit dem Thema fehlt.

In diesem Sinne zitiere ich aus der Petition, die ich hier bewusst nicht verlinke. Sämtliche orthographischen Fehler sind im Zitat erhalten geblieben.

"Ich bin der Meinung das die Einstellung des Verfahrens absolut fehlerhaft ist und fordere Widerspruch!".

Da hat jemand Meinungsfreiheit mit Tatsachenfreiheit verwechselt. Denn Fehlerhaftigkeit ist eine nachprüfbare und damit objektivierbare Tatsache, und über Tatsachen kann man nicht diskutieren. Da kann man so viel Widerspruch fordern, wie man will, es klingt nach Pegida. Offenbar sucht die Volksseele neue Themen, an denen sie ihren Hass abarbeiten kann.

"Ich bin der Meinung, dass dieser Freispruch ein Freibrief für alle Pädophilen ist.

Drei Zeilen vorher war der Freispruch noch eine Einstellung, aber wo eine starke Meinung ist, tun Differenzierungen nichts mehr zur Sache. Wie bei Pegida. Der angebliche "Freibrief" für Kriminelle aller Art wiederum ist ein gern genutztes Bild, um den demokratischen Rechtsstaat zu diffamieren. Man lese nur z. B. hier.

"Der Glaube an unser Rechtssystem ist durch diesen Freispruch absolut verloren."

Das Kraftwort "absolut" wurde ja auch schon im ersten Zitat genutzt, um Argumente zu ersetzen. Auch das ist ein Stilmittel schwacher Rhetoriker, die außer ihrer Empörung keine Argumente  auf ihrer Seite haben.

Schlimm ist, dass diesen Müll auch noch Menschen unterschreiben.



Kommentare:

  1. "The IQ of a mob is the IQ of its dumbest member divided by the number of mobsters." - Terry Pratchett.

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  2. Wenn ich sehe, dass Edathy bei Facebook teilweise sogar als "Kinderficker" beschimpft wird, wundert mich gar nichts mehr. Soziale Medien scheinen heute sowas wie die früheren Kneipenstammtische zu sein. Nur mit mehr Menschen, weniger Alkohol und noch niedrigerem Niveau.

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  3. Was soll in dem Zusammenhang der Vergleich mit "Pegida"? Ist ein solch abwegiger Vergleich auch ein "Stilmittel schwacher Rhetoriker, die außer ihrer Empörung keine Argumente auf ihrer Seite haben"?

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