Donnerstag, 1. August 2013

Woran man Betrüger erkennt


Selten genug, dass es im Fernsehen wirklich relevante Informationen gibt. Vorgestern war es wieder soweit. Bei Sandra Maischberger herrschte offenbar noch Sommerloch und man widmete sich der eher allgemeinen Frage: "Betrüger, Hochstapler, Heiratsschwindler" mit dem in Frageform gepressten Statement im Untertitel: "Wie leicht wird man Opfer"? Das geht uns alle an. Opfer sind schließlich modern.

Zu Gast war neben meinem Lieblingsbetrüger Gerd Postel ("Dr. Dr. med. Clemens Bartholdy") - dem Postboten, der auf eigene Empfehlung Oberarzt einer ostdeutschen Psychiatrie wurde - auch mein Lieblingsgutachter Prof. Dr. Hans-Ludwig Kröber. Beide lieferten sich eine sehenswerte Fachdiskussion, die sie offenbar auch schon längere Zeit via e-mail austragen.

Ebenfalls nicht verpassen durfte man den Live-Mitschnitt eines Vortrages des ehemaligen BGH-Vorsitzenden Armin Nack, der dem Postboten-Oberarzt Gert Postel vor studentischem Publikum bestätigte, bessere Gutachten gemacht zu haben als die meisten Psychiater. Das war Psychiatrie-bashing vom Feinsten.

Als etwas störend empfunden habe ich allerdings - neben der völlig indisponierten Gastgeberin - einen Herrn vom Bund Deutscher Kriminalbeamter, der in der Runde erstaunlicherweise so etwas wie den juristischen Sachverständigen für Betrugsdelikte spielen durfte. Das tat er schlechter als jeder Betrüger es je hätte tun können. Da fehlte es augenscheinlich noch an Expertise.

Dann aber wurde der Herr Kriminalbeamte gefragt, woran man den Betrüger erkenne und seine Antwort dürfte in nächster Zeit für schlechte Stimmung zwischen Rechtsanwälten und Mandanten führen. Er sagte nämlich, Betrüger erkenne man unter anderem daran, dass sie Vorkasse verlangen würden.

Kommentare:

  1. Dann sind ja alle Einzelhändler Betrüger, die zuerst Bargeld sehen wollen, bevor sie die Ware aushändigen.

    AntwortenLöschen
  2. Wie werden Beamte noch mal bezahlt? Im Voraus?

    AntwortenLöschen
  3. @Anonym, Zug um Zug ist was anderes als Vorkasse.

    AntwortenLöschen
  4. Der Polizeibeamte hätte sich mit Folgendem herausreden sollen:

    "Woran man Betrüger erkennt kann ich Ihnen leider nicht sagen, aber Spitzbuben tragen `wollene schwarze Mäntel, welche bis unter das Knie gehen´, `damit man diese Spitzbuben schon von weitem erkennen und sich vor ihnen hüten kann.´“

    AntwortenLöschen
  5. Ich fand die Sendung aufschlussreich und informativ. Postel scheint seit 15 Jahren jede persönliche Weiterentwicklung konsequent vermieden zu haben und pflegt Vorstellungen von eigener Grandiosität. Das Motiv der Mutter, deren Selbstmord er der Psychiatrie anlastet, könnte er sich bei Mathieu Carrière abgeschaut haben. Psychopathologisch interessant ist die Rigorosität, mit der er jede Feststellung zu seiner Person in ein abgeschlossenes Minidrama verkehrt, das von Schuld und grenzenlosem Unvermögen anderer getragen ist. Privat sicher ein unterhaltsamer Gesprächspartner - für maximal zehn Minuten.

    AntwortenLöschen
  6. Schließe mich dem Kommentar von deseo an.

    Der Kripobeamte war besser, als im Text beschrieben. U.a., hat Postel immer behauptet, er hätte ja niemandem geschadet. Der Kripomann hat ihm erfolgreich die Luft aus den Segeln genommen, als er ihn fragte, wie er sich denn erkläre, daß er (Postel) wegen Betrug verurteilt worden sei. Und Betrug setzte nun mal einen entstandenen "Schaden" voraus. Da war Herr P. plötzlich ruhig ....

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Zugegeben, das war ein Punktsieg für den Polizisten, aber ein ziemlich billig gefälschter. Postel sprach von gesundheitlichen Schäden, beim Betrug ist jedoch ein Vermögensschaden die Voraussetzung. Den hat wiederum kein Patient erlitten, sondern der Arbeitgeber. Dummdreist, das ein Polizeibeamter das verdreht, und traurig, wie Zuhörer auf den Nonsens auch noch hereinfallen.

      Löschen
  7. Lieber Herr Nebgen,

    vielen Dank für den schönen Artikel, Sie haben Talent! Falls Sie das Buch Ihres Lieblingsbetrügers lesen wollen, - er würde es Ihnen schicken, sogar mit persönlicher Widmung versehen. Schreiben Sie mir in einem solche Fall einfach: postel@berlin.de

    AntwortenLöschen
  8. Mein Lieblingsbetrüger ist Felix Krull.

    AntwortenLöschen
  9. Das mit der Vorkasse stimmt doch. Was wollen Sie? Nur weil es manchmal (!) nicht so ist, muß man das nicht anders sehen.

    AntwortenLöschen