Mittwoch, 10. Dezember 2014

Mehr herausholen aus Ihrem Anwalt


Wie ich der BILD entnommen habe, hält das unlängst zitierte Buch einer Anwaltstochter (siehe hier) viel mehr bereit als nur die titelgebenden Gründe, Anwälte zu hassen: Es enthält offenbar auch eine Art Bedienungsanleitung. Das ist natürlich toll. Die BILD zitiert aus dem Buch der Anwaltstochter (nicht zu verwechseln übrigens mit Zahnarztfrau) Wer nicht bei BILD nachlesen mag, dem möchte ich die Ratschläge hier - mit einer kleinen Kommentierung versehen -vorstellen:


  1. Kommen Sie mit realistischen Erwartungen zu Ihrem Anwalt! Sehr richtig. Realistische Erwartungen sind immer gut und helfen einem, Enttäuschungen zu verhindern. Es lohnt sich sicherlich, darüber im klaren zu sein, dass Ihr Anwalt Ihnen nicht über Liebeskummer hinweghelfen kann. Dafür bräuchten Sie einen Therapeuten. Einer der 111 Gründe, Anwälte zu hassen, war übrigens, dass Anwälte keine Therapeuten sind. Fazit: Binse. 
  2. Informieren Sie sich! Googeln Sie am besten vor dem Anwaltsbesuch ihr Rechtsproblem, jeder Anwalt wird sie lieben. Informieren Sie sich im Internet über Atomkraftwerke und gehen dann zu ihrem örtlichen Stromversorger und erzählen dem mal, wie das wirklich ist mit dem Atomstrom. Fazit: Das ist Schritt eins in den pathologischen Querulantenwahn. 
  3. Holen Sie eine zweite Meinung ein! Oder auch eine dritte und vierte, wie die Autorin empfiehlt. Kann man machen. Doof nur: Man wird auch den zweiten, dritten und vierten Anwalt bezahlen müssen. Im Unterschied zum Arzt kommt es beim Anwalt übrigens selten auf die Diagnose an, sondern in der Regel auf die Therapie. Und was machen sie mit vier Therapievorschlägen? Ganz klar: Sie fragen einfach einen fünften Anwalt, welchem Ratschlag sie folgen sollen. Fazit: Grober Unfug
  4. Geben Sie sich nicht mit Geschwurbel zufrieden! Auf keinen Fall! Anwälte verstecken hinter Geschwurbel häufig schwache Argumente, teilt die Expertentochter uns mit. Recht hat sie. Vielleicht sind es allerdings Ihre eigenen schwachen Argumente, denen der Anwalt auf diese Weise zu einem bisschen Glanz verhilft. Es kommt eben immer auf die Sichtweise an. Fazit: Binse. 
  5. Wenn Sie keine 50 Seiten lesen wollen, fordern Sie eine Zusammenfassung! Rechtsanwälte schreiben angeblich lieber mehr als wenig, um sich abzusichern. Ob das stimmt, weiß ich nicht.  Mache Mandanten rufen nach Erhalt eines Briefes auch an und fragen, was in dem Brief drin stand. Nicht, weil sie ihn nicht verstanden haben, sondern weil sie ihn nicht geöffnet haben. Zur Länge der Darstellung mag als Faustformel gelten: Komplizierte Sachverhalte erfordern mitunter eine etwas längere Darstellung. Schließlich ist es letztlich der Mandant, der nach allen Seiten abgesichert sein möchte. Fazit: Kann man machen, verfehlt aber das Problem.
  6. Lassen Sie sich Ihren Anwalt empfehlen! Eigentlich ein guter Ratschlag, nur: Auf wessen Empfehlung soll man vertrauen? Nur weil die beste Freundin zufrieden war, müssen sie es noch lange nicht sein. Das ist das allgemeine Problem aller Bewertungsportale: Woher weiß ich, ob ich gleicher Meinung wäre? Letztlich hilft nur eins: Selbst ausprobieren. Aber für den Einstieg langt's. Fazit: Sehr nah an der Binse.
  7. Achten Sie auf die Sekretärin - sie verrät einiges über die Kanzleikultur! Stimmt. Vielleicht ist die Sekretärin gepierct oder tätowiert? Dann stimmt vielleicht etwas mit der Kanzleikultur nicht. Merken Sie etwas? Fazit: Oberflächlicher Unfug. Einige der besten Anwälte, die ich kenne, tragen zerschlissene Jeans und haben gar keine Sekretärin. Und nein, damit meine ich nicht mich selbst.
  8. Wenn Sie auf Mitleid hoffen, sind Sie bei Anwältinnen besser dran! Die seien auch eher bereit, auf ihr Honorar zu verzichten, rät Frau Engelken. Das ist also eine Anleitung zum Eingehungsbetrug. Fazit: Dafür gehört Frau Engelken der Arsch versohlt.
  9. Behalten Sie den Terminkalender im Auge! Rufen Sie Ihren Anwalt an, wenn ein Fristablauf bevorsteht, Anwälte übersehen Fristen gerne. Am besten fangen sie zwei Wochen vor Fristablauf an und melden sich dann in immer kürzer werdenden Intervallen, bis sie am Tag des Fristablaufs stündlich anrufen. Fazit: Das ist kein Schritt in den Querulantenwahn, das ist schon der Querulantenwahn höchstselbst. Wenn Sie schon soweit sind: Gehen Sie zum Psychiater und nicht zum Anwalt.
  10. Nerven Sie Ihren Anwalt nicht zu Tode! Endlich ein Ratschlag, dem ich uneingeschränkt zustimmen kann.  Obwohl man bei diesem Buch manchmal den Eindruck bekommt, nur ein toter Anwalt wäre ein guter Anwalt. 



Kommentare:

  1. Ihre Darstellung wirkt, als käme sie vom hohen Roß, und sie ist nur mit Mühe auszuhalten.
    Die nicht nur finanzielle Not, in die Mandanten durch schlechte Anwälte stürzen können, gerade durch Versagen bei simplen Sachverhalten wie Fristablauf/Fristwahrung, ist für einen Anwalt vom hohen Ross aus sicher nicht mehr abzuschätzen - er sitzt ja hoch und trocken da und kann es sich leisten, dem querulatorischen Pöbel eins auszuwischen.
    Die Darstellung der als "-tochter" diffamierten Autorin (wie unreif das wirkt, machen Sie sich anscheinend nicht klar) ist vermutlich wirklich nicht glücklich - es wirkt aber abwertend, wie Sie über die dahinter steckenden Probleme von Mandaten ätzen.
    Guten Rat erwarte ich von Ihnen nicht mehr, Sie haben sich in meinen Augen für jede Form von Ratschlag disqualifiziert. *kopfschüttel*

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Anonyme Schwurbelscheiße. Viel geschrieben, nichts gesagt, aber Robin Hood für die Millionen von Anwaltsopfern. Tochterretter und Wichtigtuer. Frohe Weihnachten.

      Löschen
    2. Hallo Herr Siebers,
      der selbe Anonymus nochmal, Ehrenwort, ich bin es wirklich ;) Zur Erklärung meiner Anonymität: Mir steht keine der hier im Blog angebotenen Authentisierungsmethoden oder Aliase zur Verfügung, und der Klarnamenpflicht stehe ich kritisch gegenüber.
      zu Ihrem Beitrag: Warum die harten Worte - sind Sie getroffen? Sie wirken verletzt und aggressiv, es wirkt fast besorgniserregend.
      Im Kern bleibe ich bei meinem Hinweis, dass in Ihrer Branche durchaus nicht alles Gold ist und mitunter dem eigenen Klienten heftiger Schaden zugefügt wird, das wissen Sie sicher auch. Den Ton, den Herr Nebgen anklingen läßt, und auch Ihre Einlassung ("Auslassung" wäre angesichts der Wortwahl fast treffender) werfen zusätzlich kein gutes Licht auf die Haltung von Anwälten gegenüber Mandanten und gegenüber Kritik, sei sie auch überzogen. Sie werden das mit etwas Ruhe sicher zu analysieren wissen.
      Ich wünsche Ihnen diese Ruhe über die Feiertage, tun Sie sich gut und bleiben Sie gelassen.
      Schöne Feiertage.

      Löschen
  2. Die Herren Nebgen und Siebers verlangen, dass sich der Mandant mit blindem Vertrauen in ihre Hände begibt und zufrieden ist mit dem, was der Anwalt für sie herausholt. Sie wollen ihren Mandanten damit alles das verweigern, was sie z.B. als Patienten von ihrem Arzt ganz selbstverständlich einfordern würden.

    AntwortenLöschen
  3. @Anonym: wenn ein Anwalt eine Frist versäumt, dann haftet er auch für den eingetretenen Schaden wie jeder andere auch, der einen Fehler macht. Ich behaupte einmal, dass die Fehlerquote bei Anwälten nicht besonders hoch ist. Meistens geht es auch nur um rein finanzielle Interessen. In anderen Branchen können sich Fehler, die nun einmal leider menschlich sind, viel fataler auswirken.

    AntwortenLöschen
  4. Beim Anwalt gilt das gleiche wie bei einem Arzt. Beide sind nur Handwerker. Der beste Arzt und Anwalt ist man selbst. Trotzdem benötigt man Handwerker, weil diese im Detail mehr Erfahrungen besitzen. Im Einzelfall kann man trotzdem besser sein als der eigene Anwalt oder Arzt.

    Einen Arztzwang gibt es nicht, außer bei Seuchen und der Verschreibung rezeptpflichtiger Medikamente.

    Anwaltszwang gilt ab Landgericht. Da kommt man als Beklagter nicht drum herum.

    Überheblichkeit, welche die eigene mangelnde Qualifikation und Konflikte mit der eigenen Ehrlichkeit aufdeckt, gibt es nicht nur bei Anwälten und Ärzten, sondern bei allen Handwerkern und auch bei einfachen Berufen, wie bei Taxifahrern, Polizisten, Fahrkartenkontrolleuren, Kaufhausdetektiven.

    Das mangelnde Beherrschen des eigenen Geschäfts mit Querulantentum des Mandanten abzutun, ist nicht besonders geistreich. Mit dieser Herangehensweise würde unsere Autoindustrie pleite gehen. Anwälte können sich querulatorisches Denken und Handeln leisten, weil es den Anwaltszwang gibt.



    AntwortenLöschen
  5. Sehr schöne Zusammenfassung, Herr Rechtsanwalt Nebgen!

    Und an all die unzufriedenen rechtsuchenden Bürger: Egal, ob Arzt, Anwalt, Pfarrer oder Lehrer: natürlich ist niemand davor gefeit, Fehler zu machen. Wenn aber ein Spezialist beauftragt wird - und ein Anwalt ist nunmal der berufene Spezialist für rechtliche Fragen -, bringt es weder einem selbst noch dem Anwalt etwas, wenn man sich bemüht, möglichst kein Vertrauen zu dem Anwalt zuzulassen, sämtliche von dessen Ratschlägen hinterfragt, anzweifelt, fünf andere Meinungen einholt und den armen Menschen mit täglichen Anrufen zur Verzweiflung bringt. Es mag bitter klingen, ist aber so: entweder man vertraut jemanden oder man tut es nicht. Und Menschen mit "Herrschaftswissen", insbesondere Ärzte und Juristen, kann man als Laie, so bitter das klingen mag, nicht überprüfen. Selbst wenn an sich fachkundiger Hilfe bedienen möchte: wie soll man herausfinden, ob die Hilfe tatsächlich fachkundig ist? Niklas Luhmann hat mal sehr schön vom Vertrauen als Grundprinzip einer arbeitsteiligen Gesellschaft geschrieben.

    Noch mal: es geht nicht darum, das Problem zu negieren, dass Laien Sicherheit haben wollen, den richtigen Spezialisten ausgewählt zu haben. Es geht auch nicht darum zu negieren, dass einzelne Anwälte oder Ärzte oder Steuerberater oder oder oder ... in einzelnen Fragen "besser" sein mögen als andere. Es geht darum, dass die Frau einen - jedenfalls aus juristischer Sicht und wenn die Zusammenfassung im Blog oben zutreffend ist - "Ratgeber" geschrieben hat, der zum Einen eine aus meiner Sicht falsche Beschreibung von Problemen gibt (Fristenkontrolle dürfte wirklich auch in der miesesten Anwaltskanzlei in den allermeisten Fällen kein Problem sein, und im Zweifel hat's dann die bisher immer zuverlässige ReNo unvorhersehbar vermasselt, damit dem Wiedereinsetzungsantrag stattgegeben wird).
    Darüber hinaus sind die, sollte obige Zusammenfassung zutreffen, überwiegend unqualifizierten, unreifen und zT einfach nur lächerlichen Ratschläge der in juristischen Fragen durch ihre "Qualifikation" als Tochter nicht bereits besonders kompetenten Autorin überwiegend nicht nur nutzlos, sondern wirklich lächerlich, um zu überprüfen, ob das Vertrauen in diesen Anwalt gerechtfertigt ist oder nicht. Ich kann etwa mit kurzfristig angelesenem Spezial-"Wissen" von Dr Google oder aus dem Palandt von 1955 mir in der Regel nicht anmaßen, das deutlich breiter gefächerte, systematische Wissen eines Spezialisten ernsthaft überprüfen zu wollen, egal, ob es um einen Arzt oder einen Anwalt oder Steuerberater oder sonstwen geht. Und wenn ich dem Anwalt deutlich zeige, dass ich ihm misstraue, und ihn mit ständigen Anrufen von der Arbeit abhalte, dann wird das wahrscheinlichste Ergebnis nicht die Steigerung seines Engagements sein, sondern das Gegenteil. Entweder wird er das Mandat genervt gleich völlig niederlegen oder versucht sein, es mit dem geringstmöglichen Aufwand zu bearbeiten. Was den Tip angeht, dass weibliche Anwälte weniger "tough" seien als männliche und leichter betrogen werden können als männliche, bin ich (als weibliche Richterin, vor allem nach jahrelanger Tätigkeit im ganz und gar nicht soften Familiendezernat) doch erst mal ziemlich fassungslos.

    Soll heißen: es spricht vieles dafür, dass in diesem Buch jemand mit der - berechtigten - Angst von Menschen spielt, um Kasse zu machen, ohne selbst irgendeine Form von Durchblick zu haben.

    AntwortenLöschen
  6. Gästle hat recht. Es geht um das Vertrauen gegenüber einem Anwalt, einem Fachmann.

    Was ist aber, wenn die eigenen Interessen und Erfahrungen denen der Herrschenden widersprechen? Ist man dann Querulant, soll man dann dem Anwalt blind vertrauen?

    Bei den Juden sind es die Rabbiner, bei den Kommunisten in den real existierenden sozialistischen Ländern waren es die Parteisekretäre. im Mittelalter die Pfaffen, deren Ratschläge (Anweisungen) befolgt werden sollten..

    Was sind die Aufgaben eines Anwalts, dass man diesem blind vertrauen sollte?

    Wie sieht es mit dem Vertrauen in die Fachkompetenz aus, wenn Anwälte gegen Anwälte klagen?

    So einfach ist das mit dem Vertrauen nicht. Es gibt die Praxis und die unterschiedlichsten Interessen.

    Als Richterin sind Sie auch nicht unabhängig. Als Richterin auf Probe erst recht nicht.

    AntwortenLöschen
  7. Na klar, der brave Mandant vertraut seinem Anwalt blind.

    AntwortenLöschen
  8. Schön geschrieben, Herr Kollege Nebgen!
    BTW: Ist das bei Ihnen eigentlich immer der gleiche "Anonym", der hier ständig in undifferenzierter Weise polemisierend agitiert?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo rawil,
      und schon wieder der selbe eine Anonymus, der den Herren Nebgen und Siebers eine Perspektive nahebringen wollte, die angesichts des hier zu lesenden "schwierigen" Tonfalls eher klienten-orientiert ist; wohlgemerkt äußerte ich mich in Bezug auf (u.a. selbst erlebte) Mißstände in der Anwaltschaft, nicht in Kritik an der Arbeit der genannten Juristen selber, solche Kritik könnte und wollte ich mangels Mandaten und Kontakten auch nicht äußern.
      Zu Ihrer Frage zwei Antworten:
      1. Ich habe bisher nur unter diesem Beitrag geantwortet, zu anderen Beiträgen kann ich nichts sagen. Falls Herr Nebgen seine Kommentarfunktion um die häufig anzutreffende und dann intensiv genutzte Möglichkeit "Alias + verdeckte E-Mailadresse" erweiterte, wäre eine recht zuverlässige Identifikation der Kommentatoren möglich. Ist nur ein Vorschlag, muss er nicht machen, klar.
      2. "Ständig", "undifferenziert", "polemisierend", "agitiert" - Ihre Wortwahl spricht eine deutliche Sprache, Sie sind offenbar erregt und haben eine klare, eher abwertende Haltung. Da Sie inhaltlich nichts beitragen: Wie kommt es zu diesen aggressiv wirkenden Äußerungen, was macht Sie so wütend? Ist Kritik nicht immer auch eine Chance, zu reflektieren und zu prüfen? Es wird nicht jede Kritik den Kritisierten glücklich machen - aber das halten Sie doch hoffentlich aus, oder?
      Ich wünsche auch Ihnen (Herr Siebers ist da erneut eingeschlossen) eine ruhige Weihnachtszeit und weiterhin die Kraft und Gelassenheit, Ihren ganz eigenen und professionellen Beitrag zu einem entspannten und zielführenden Austausch zwischen Juristen und deren "Kundschaft", hier Mandaten, zu leisten. Schöne Feiertage!

      Löschen
  9. "Lassen Sie sich Ihren Anwalt empfehlen! Eigentlich ein guter Ratschlag, nur: Auf wessen Empfehlung soll man vertrauen?"

    Auf die eines für die konkrete Frage fachfremden Spezialisten.

    AntwortenLöschen