Dienstag, 16. Dezember 2014

Die Liga der Anwaltschaft


Wo heutzutage soviel über Rechtsanwälte geredet und geschrieben wird, möchte ich den Ratsuchenden hiermit ebenfalls eine kleine Hilfe an die Hand geben, sich zurecht zu finden im Anwaltsdschungel von aktuell etwas 163.000(Quelle: Die Welt) zugelassenen Rechtsanwälten .

Wenn auch die Bundesrechtsanwaltskammer immer wieder die Homogenität der Anwaltschaft hervorhebt, bietet es sich an, zwischen zwei Sorten von Rechtsanwälten zu unterscheiden, nämlich zwischen den Einzelanwälten einerseits und anderseits den Rechtsanwälten, die in so genannten "law firms" arbeiten. Es gibt auch noch eine dritte Sorte - die Syndikusanwälte - aber die lasse ich hier mal weg. Beginnen wollen wir mit den Einzelanwälten.

Nicht in die Typologie geschafft hat es der vielbeschrieene Anwalt aus der Not, der aufgrund seiner schlechten Examensnoten gezwungen war, sich als selbständiger Rechtsanwalt niederzulassen. Nicht dass es den nicht gäbe - es gibt ihn - nur taugt er nicht als Kategorie. Es gibt hervorragende Rechtsanwälte, die nur äußerst mäßige Abschlüsse geschafft haben. Die Qualität der Examina sagt einfach nichts aus über die Qualität als Rechtsanwalt.


  1. Der Staranwalt - Der Staranwalt ist ein Meister seines Fachs, bekannt aus Film, Funk und Fernsehen. Sein Fachgebiet ist mit Vorliebe das Strafrecht, manchmal auch irgendwas mit Medien. Er agiert bundesweit mit gelegentlichen Abstechern zum Europäischen Gerichtshof. Er ist elegant, wortgewaltig und neigt zum Größenwahn. Dort wo er agiert, zahlt es sich aus, wenn man von sich überzeugt ist. Der Staranwalt wäre gerne auch  Schauspieler geworden, aber das stand nicht zur Debatte. Bayern München der Anwaltschaft, nur das es mehrere davon gibt.
  2. Der Provinzfürst - Der Provinzfürst agiert ähnlich wie der Staranwalt, jedoch auf seinen Kammerbezirk beschränkt. Auf der ganz großen Bühne fühlt er sich merkwürdig unwohl, zum ganz großen Durchbruch fehlt ihm die Mondänität. In der Bundesliga wäre er Hannover 96.
  3. Die Ein-Mann-Boutique - Die Ein-Mann-Boutique hat sich auf ein Fachgebiet spezialisiert und hält wacker daran fest. Macht nur, was er kann, und hat ein weit gespanntes Netzwerk Gleichgesinnter, mit denen er Mandante tauscht. Nie ganz oben, aber konsequent. Greuther Fürth. 
  4. Der Dorfschulze - Der Dorfschulze ist Anwalt in einem kleineren Ort. Dort ist er eine Instanz, die Einwohnerschaft wendet sich mit allen Anliegen vertrauensvoll an ihn. Eine fachliche Spezialisierung hat er nicht, aus Angst, die Leute könnten ihm dann nicht alle ihre Probleme anvertrauen. Die Kollegen aus der Stadt nehmen den Dorfschulzen nicht ernst, und meistens haben sie damit Recht. Preußen Münster. Sehr alte Menschen erinnern sich daran, dass er früher mal ein Jahr in der Bundesliga gespielt hat. 
  5. Der Feld-Wald-und Wiesenwalt - Der Feld-Wald-und Wiesenanwalt ist wie der Dorfschulze Generalist, nur praktiziert er in der Stadt. Dort fehlt ihm der Rückhalt, denn er muss sich sein Revier mit mit immer mehr Kollegen teilen. Traut sich nicht, mit einer Spezialisierung den Sprung zur Boutique zu wagen. Böse Menschen sagen: Macht alles und kann nichts. Seit jeher Amateurliga. Suchen Sie sich irgendeinen Verein aus.



Kommentare:

  1. "Die Qualität der Examina sagt einfach nichts aus über die Qualität als Rechtsanwalt" - und erst recht nichts über die Qualität von Richtern. ;-)

    P.S: Wo ordnen Sie sich denn ein, Herr Kollege? ;-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich halte es seit jeher mit dem HSV, Herr Kollege. :-)

      Löschen
    2. Die mit Abstand wenigsten Tore der Liga?

      Löschen
  2. "Die Qualität der Examina sagt einfach nichts aus über die Qualität als Rechtsanwalt." Wovon träumen Sie nachts?

    AntwortenLöschen
  3. @ Anonym:

    Wollen Sie ernsthaft das Gegenteil behaupten ???

    AntwortenLöschen
  4. Ich habe von einem bekannten Hamburger Rechtsanwalt eine Einstweilige Verfügung ins Haus bekommen, weil ich im Netz schrieb, er arbeite als Einzelanwalt von zu Hause aus.

    Tatsächlich wohnt dieser Anwalt in einer Villa und hat unten in der ersten Etage sein Büro mit einer Sekretärin.

    Die Begründung des Anwalts: "arbeitet von zu Hause aus", bedeute, er sei ein Küchenanwalt.

    Die Küchenanwalt fehlt noch in Ihrer Auflistung.

    Dann habe auch bis zum OLG eine Sache verloren. Es ist gerichtlich festgelegt worden, dass diese Anwalt nie lügt. Eine Beweisaufnahme gab es trotz meines Antrages und vorhandener Beweise nicht.

    Deswegen könnte es noch die übergeordnete Kategorie nie lügender Einzelanwalt geben. Man kann auch in der Einleitung hervorheben, das Einzelanwälte nie lügen. Das ist Gesetz und Rechtsprechung.

    AntwortenLöschen
  5. Es fehlt der Nebentätigkeitsanwalt, der aus wirtschaftlicher Notwendigkeit noch einen oder mehrere Nebenjobs ausübt, weil es von unserer Sorte einfach zu viele gibt. Das dürfte insbesondere jüngere Kollegen betreffen.

    AntwortenLöschen
  6. Und Preussen Muenster passt bald nicht mehr :-)))

    AntwortenLöschen
  7. Und Preussen Muenster passt bald nicht mehr :-)))

    AntwortenLöschen
  8. So siehts aus, Herr Burhoff !!! ;-)

    AntwortenLöschen