Montag, 23. April 2012

Der Pirat im Kommunikationsdelta

Liebe Piraten,

wer hätte das von Euch gedacht.

Jetzt seid Ihr schon alle so unglaublich vernetzt, kommuniziert ununterbrochen mit Eurer Basis - die ihr ja selbst seid - und dann müsst Ihr Euch von einem Parteienforscher attestieren lassen, Ihr hättet ein "Kommunikationsproblem". Nachzulesen im Online-Angebot der Zeitung mit den vier Buchstaben, hier.

Immerhin vom Vorwurf des Rechtsextremismus' hat er Euch freigesprochen. Und ein Kollege - es gibt tatsächlich mehr als einen Parteienforscher - vom Göttinger Institut für Demokratieforschung ist ihm beigesprungen und spricht von einer "Findungsphase", möchte also praktisch Jugendstrafrecht auf Euch anwenden. Weil Ihr so viele digitale Medien nutztet, dringe eben auch so viel aus Eurer Findungsphase nach außen. Fluch und Segen der Transparenz, sozusagen. So müsst Ihr jetzt Eure wertvollen Energien vergeuden, um mühsam zurückzurudern, so wie hier.

Man kann eben nicht nur nicht nicht kommunizieren, man kann vor allem auch zu viel kommunizieren. Und manchmal ist es deshalb ganz gut, wenn man den Quatsch, der einem so einfällt, nicht gleich allen mitteilt. Das gilt übrigens nicht für diesen Beitrag. Von Gesetzen und Würsten wolle er nicht wissen, wie sie zustande kämen, soll der alte Bismarck gesagt haben. Man könnte Meinungen gut in diesen Kanon aufnehmen. Aber im Stillen nachzudenken wäre natürlich dann so gar nicht transparent.

Wichtig allerdings ist, dass man eine Meinung hat. Nicht zu allem und nicht jederzeit, aber zumindest so ungefähr und dann, wenn man gefragt wird. Das hilft einem dann auch, solche Ausrutscher wie diesen unendlich blöden Ausspruch Eures ehemaligen Parlamentarischen Geschäftsführers in Berlin zu vermeiden. Das hat der sicher nicht so gemeint, aber ob das die Sache so viel besser macht, weiß ich nicht.

Wer keine Inhalte hat, der darf sich eben nicht wundern, wenn andere ihm irgendwelche x-beliebigen Inhalte auf den Leib schneidern.

Übrigens: "Ich will umsonst Musik downloaden" ist noch kein Inhalt.



Kommentare:

  1. Übrigens: Die Piraten wollen das Urheberrecht gar nicht abschaffen. Aber das wollen Sie ja nicht hören.

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  2. @ malte S: Doch, doch, ich will das hören! Nur keiner kann es mir sagen!

    Die Piraten erzählen in der Regel, sie wollten das Urheberrecht reformieren und dem Internet anpassen. Mal abgesehen davon, dass man m.E. eher das Internet dem Gesetz anpassen sollte und nicht umgekehrt, habe ich noch nicht einen konkreten Vorschlag gehört, wie das gehen soll. Haben Sie einen?

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  3. Dieser Kommentar enthält mehr als einen Link.
    Ich hoffe, das löst nicht den Spamfilter aus.

    Keiner kann es Ihnen sagen? Könnte es nicht sein, dass Sie konsequent die falschen Leute fragen?
    Ich bin nicht bei den Piraten engagiert - aber ich weiß genau, wie deren Positionen bzgl. Urheberrecht sind.

    http://lmgtfy.com/?q=piraten+urheberrecht
    Der erste Eintrag ist es.
    Und nebenbei: Das ist das erste Ergebnis der naheliegendsten Google-Suche. Das kann man auch finden, ohne dass es einem jemand sagt.

    Sie werden dort die AG Urheberrecht finden: der Teil der Piraten, der das Thema bearbeitet.
    Speziell könnte Sie dieses PDF interessieren:

    http://wiki.piratenpartei.de/wiki/images/0/07/UrhG_Arguments_FassungBPT2011-2.pdf

    21 Seiten mit 84 konkreten Vorschlägen.

    Es würde mich wirklich und ohne Ironie sehr interessieren, ob die Lektüre dieser 21 Seiten Ihre Meinung ändert.

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  4. "Wer keine Inhalte hat, der darf sich eben nicht wundern, wenn andere ihm irgendwelche x-beliebigen Inhalte auf den Leib schneidern."

    Und wer eben doch Inhalte hat, der darf sich nicht wundern, wenn andere es nicht für nötig halten, fünf Minuten aufzuwenden, um sich über diese Inhalte zu informieren und einem stattdessen lieber völlig falsches zuschreiben. Und das, was Sie für die Position der Piratenpartei halten, geht grotesk weit an der Wirklichkeit vorbei.

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  5. Wenn Gesetze nicht zeitgemäß sind, dann ist es der einzig richtige Weg, diese anzupassen.

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  6. ,,Wer keine Inhalte hat"

    Hier ist eine Zusammenstellung der (nicht vorhandenen) PP-Inhalte - ist zwar von nem PP-Fanboy, aber trotzdem recht gut:
    http://www.kanzleikompa.de/2012/04/23/wahlprogramm-der-piraten/

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    1. Viele Worte ergeben nicht zwangsläufig einen Inhalt. Und mit der Blasenhaftigkeit der eigenen Worte auch noch zu kokettieren ("Dafür, dass wir keines haben, steht hier viel drin"), ist meines Erachtens einfach nur unerträglich.
      CN

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    2. Wissen Sie, was unerträglich ist, Herr Nebgen?

      Wenn jemand ganz offenbar zu faul war, zu recherchieren, bevor er wiederholt mit Blogbeitragen am öffentlichen Diskurs teilzunehmen versucht hat und dabei seine groteske Unkenntnis auch noch stolz als Trumpf ausspielt, wenn er behauptet, ER habe ja noch nie einen konkreten Vorschlag gehört.

      Und die Unerträglichkeit wird auf eine absurde Spitze getrieben, wenn derjenige dann die Informationen geliefert bekommt, um die er gebeten hat (haben Sie das PDF gelesen, das ich verlinkt habe? Das ist nicht voller Blasenhaftigkeit, sondern voll mit KONKRETEN Vorschlägen) so fest an seiner Meinung hält, als würde er sterben, wenn er sich selbst eingestehen müsste, eine politische Entwicklung einfach mal falsch eingeschätzt zu haben.

      Herr Nebgen, lesen Sie. Sie blamieren sich ja.

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  7. http://www.kein-programm.de

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  8. "Die Piraten erzählen in der Regel, sie wollten das Urheberrecht reformieren und dem Internet anpassen. Mal abgesehen davon, dass man m.E. eher das Internet dem Gesetz anpassen sollte und nicht umgekehrt, habe ich noch nicht einen konkreten Vorschlag gehört, wie das gehen soll. Haben Sie einen?"

    Einmal davon abgesehen, dass die Gleichsetzung "Urheberrecht der Piraten = Internetzeugs" falsch ist, sollte gerade einem Juristen bekannt sein, dass das Recht der tatsächlichen Welt folgt und nicht die tatsächliche Welt dem Recht. Das mag zwar mitunter so wirken, ist aber eben nicht Sinn und Zweck des Rechts.

    In diesem Sinne schließe ich mich Stefan B. an.

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  9. Das Internet dem Gesetz anzupassen dürfte anhand der zig Rechtsordnungen, in denen es zeitgleich wabert, gewisse Schwierigkeiten aufwerfen ...

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  10. Na ja, bei kanzleikompa ist das Programm des Landesverbandes NRW eingestellt. Inwieweit dies mit den anderen LV abgestimmt ist oder Mehrheiten hat, konnte ich auf die Schnelle nicht so richtig feststellen.
    Aber immerhin hat sich die PP NRW bereits zu so zukunftsträchtigen Themen wie der E-Zigarette positioniert. Wer so hellsichtig ist, derartige Zukunftsthemen der Menschheit sogleich nach dem Start ins Parlamentarierleben aufzugreifen, muss unbedingt in den Bundestag. Vielleicht kommt Gysi als E-Zig-Advokat dann als Abweichler von der Linkspartei zu den Piraten.

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  11. Von der Seite "kein-programm.de" aus dem Grundsatzprogramm Bundespartei:
    "Systeme, welche auf einer technischen Ebene die Vervielfältigung von Werken be- oder verhindern („Kopierschutz“, „DRM“, usw.), verknappen künstlich deren Verfügbarkeit, um aus einem freien Gut ein wirtschaftliches zu machen".
    ME fehlt in dem Programm die Begründung dafür, weshalb diese Güter denn "frei" sein sollten (abgesehen davon, dass der kopiergeschützte Datenträger in der Regel schon mal nicht "frei" ist, sondern selbst ein Wirtschaftsgut.
    Bei Wissen kann man darüber diskutieren ob es frei und allen verfügbar sein sollte, bei Werken (Musik, Film u.a.) stellt sich mir die Frage, wie die Piraten denn zu der pauschalen und undifferenzierten Annahme kommen, dass es sich um "freie Güter" handelt, die "künstlich" zu wirtschaftlichen gemacht werden.

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    1. "Bei Wissen kann man darüber diskutieren ob es frei und allen verfügbar sein sollte, bei Werken (Musik, Film u.a.) stellt sich mir die Frage, wie die Piraten denn zu der pauschalen und undifferenzierten Annahme kommen, dass es sich um "freie Güter" handelt, die "künstlich" zu wirtschaftlichen gemacht werden."

      Das ist keine moralische Frage, sondern eine rein marktwirtschaftliche. Ein Preis wird bestimmt durch Angebot und Nachfrage. Grundlage dafür ist die Knappheit von Produkten: Autos und Fernseher sind nicht ohne Produktionsaufwand in unbegrenzter Zahl vorhanden (also "knapp" im Sinne der Theorie), deshalb weist der Markt ihnen einen Preis zu. Luft dagegen hat zweifellos einen Wert, ist aber nicht im marktwirtschaftlichen Sinne knapp. Es hindert mich zwar niemand daran, mir eine gewisse Menge Luft zu eigen zu machen und sie zu verkaufen. Da andere aber ohne Produktionsaufwand eine beliebige Menge Luft erhalten können, wird der Markt meiner Luft mutmaßlich den Preis Null zuweisen, wenn sie nicht Eigenschaften hat, die sie von der freien Luft unterscheiden.

      Würden Fernseher morgen auf jeder Wiese wachsen, wäre ihr Preis schlagartig bei Null.
      Das wäre schlecht für die Fernseherindustrie, aber eben auch eine Konsequenz der Tatsachen. Würden nun nur Fernseher, die es schon gibt, auf Wiesen wachsen, neue Modellreihen müssten aber immer noch in Fabriken gebaut werden, ja, dann hätte man ein Problem. Dann müsste man neue Gesetze schaffen, die einerseits einen Anreiz zum Bau von Fernsehern bieten, andererseits aber berücksichtigen, dass jeder seine Fernseher auch von der Wiese pflücken kann, wenn ihm die reichen, die es schon gibt. Das Pflücken von Fernsehern einfach zu verbieten, würde dem Rechtempfinden der Mehrheit zuwiderlaufen.

      Jetzt kommt der technische Aspekt, dass jede Form von Daten sich ohne Produktionsaufwand beliebig vervielfältigen lässt. Dadurch sind die einzelnen digitalen Produkte nicht mehr knapp. -Neue- digitale Produkte aber sehr wohl.

      Und das führt jetzt zu dem Problem, dass die Piraten ganz richtig erkannt haben. Eine Verknappung, die es seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte gab, ist verschwunden. Wir können alle digitalisierbaren Werke ohne Aufwand beliebig vervielfältigen - die Menschheit als ganzes hat einen gewaltigen Schritt gemacht. Nun wird aber zu Recht befürchtet, dass eine Akzeptanz des sich aufdrängenden Marktpreises für digitale Güter (Null) zu einer verringerten Produktion noch immer knapper neuer digitaler Güter führen würde. Also wird den nun nicht mehr knappen (=freien) Gütern künstlich ein höherer Preis zugemessen.

      Und damit sind wir bei der Piratendiskussion angekommen, die verschiedene Modelle wie die Kulturflatrate gegeneinander abwägt, um eines zu finden, das einerseits weiterhin Anreize bietet, neue Werke zu erschaffen, gleichzeitig aber der Tatsache Rechnung trägt, dass jeder jederzeit eine beliebige Menge von perfekten Kopien anfertigen könnte und das aus marktwirtschaftlicher Sicht einen Einfluss auf den Preis haben MUSS - denn die Dienstleistung des Anfertigens einer Kopie, die im Falle von Musik von einer Verwertungsgesellschaft für 96% des Preises erbracht wird, ist keine Wertschöpfung mehr.

      @anderer Anonym zur E-Zigarette:
      "Buhu, die Piraten haben nur zu ganz wenigen Themen eine Meinung."
      "Buhu, die Piraten haben zu zu vielen Themen eine Meinung."

      Das ist jetzt wohl der Punkt, wo man sich entscheiden kann, zu welcher von zwei Sorten Quenglern man gehören will. Schöne neue Welt.

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  12. Ein sehr schöner Beitrag zum Thema findet sich übrigens hier: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/gastbeitrag-zur-piratenpartei-unwissenheit-ist-nicht-sexy-11726582.html

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    1. Dieser Text liest sich ja so, als hätte ihn der netzpolitische Sprecher der SPD geschrieben. Moment - oh....

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    2. Und, um mir selbst zu antworten:
      Da gibt es auch noch etwas, das nicht einfach nur ein Wahlkampftext eines panischen SPD-Mannes ist:

      So gut wie alle Kommentare (bei der FAZ!) könnten Ihnen verstehen helfen, was wir Ihnen ebenfalls zu sagen versuchen.

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    3. Nebgen: "...sehr schöner Beitrag..."
      Björn Böhning: "Die repräsentative Demokratie durch Volksentscheide zu ersetzen, ... - das schafft keine Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger."

      Hahaha... ganz großes Kino!!

      Wenn man rüber in die Schweiz schaut, sieht man, wie gut es dort funktioniert mit mehr Wählereinbindung!
      Aber es ist auch klar, dass die großen Parteien genau dort eine Gefahr sehen (für sich selber)!

      Desweiteren ist klar, dass ältere Leute (meistens!)Stammwähler sind und stur ihre Partei weiterwählen! Erkennt man auch hier in diesem Blog!
      Ich lasse mich oft eines Besseren belehren und gebe das auch zu! Aber viele andere eben nicht...

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