Donnerstag, 10. Januar 2013

Die Ballade vom Pfeiffer


Es war einmal eine große Religionsgemeinschaft, die hatte ein Problem. Nach Jahrhunderten weitgehend ungestörten Wirkens hatte sich die gesellschaftliche Wirklichkeit so weit von ihr entfernt, dass gewisse Verhaltensweisen, die bisher geduldet oder zumindest nicht weiter beachtet worden waren, von der Öffentlichkeit auf einmal als Problem aufgefasst wurden. Manche sprachen gar von strafbarem Verhalten. Zum Glück waren die meisten der Taten längst verjährt.

Aber die einmal aufgescheuchte Bevölkerung gab nicht nach und wollte nun auch noch wissen, wie es dazu hatte kommen können, dass in der katholischen Kirche systematisch schwere Straftaten verübt worden waren, ohne dass dies groß jemanden interessiert hatte. Unhaltbare Unterstellungen machten die Runde, beispielsweise sollte die den religiösen Würdenträgern auferlegte sexuelle Abstinenz auf einmal irgend etwas mit deren strafbarem Verhalten zu tun haben.

Die Religionsgemeinschaft sah sich daher gezwungen, eigene Nachforschungen anzustellen. Nach Jahrtausenden nahezu unangefochtener Eminenz sicherlich kein leichter Schritt. Nun bringt es offenbar die vergeistigte Haltung mit sich, dass man nicht in allen Bereichen des täglichen Lebens so richtig abschätzen konnte, welche Folgen das eigene Tun haben würde. Man hatte sich nämlich erstmals nicht auf die eigenen Inquisitoren Aufklärer verlassen, sondern ein weltliches Institut mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung der unerklärlichen Phänomene beauftragt.

Konnte denn jemand ahnen, dass ein wild gewordener weltlicher Wissenschaftler versuchen würde, dass ganze in einen strukturellen Kontext zur ganzen Organisation zu bringen? Da galt es, das Ruder wieder in die eigene Hand zu bekommen, weshalb man dem Wissenschaftler den Auftrag wieder entzog. Derzeit versucht man, ihm weitere Äußerung gerichtlich verbieten zu lassen.

Irgendwie hatte man sich das ganz anders vorgestellt. Wissenschaft und Religion passen wohl doch nicht zusammen. Irgendwie fehlt diesen Wissenschaftlern - ja, das wird es sein, was ihnen fehlt: der Glaube. Amen.

Kommentare:

  1. Kondombefürworter10. Januar 2013 um 05:20

    In spätestens 2 Generationen wird sich die gesellschaftliche Wirklichkeit nie mehr mit einer (großen) Religionsgemeinschaft "kreuzen"!

    Nur leider werd ich das nicht mehr erleben.

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  2. Gehen Sie doch in die DDR!

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  3. Nee, bleib mal hier, DDR ist so weit weg.

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  4. Es gibt nur wenige Dilettanten und Schaumschläger, die sich so mediengeil zu verkaufen wissen, wie dieser Pfeiffer.

    Erst der wissenschaftliche Nachweis, dass Kinder aus Kinderkrippen Neonazis werden. Dann war der Amoklauf von Erfurt der Beweis, dass alle im Osten so sind. Medienwissenschaftlerin Ines Geipel tat sich hervor, wurde Professorin.
    Dann kam die Sache mit Winnenden.
    Eiligst wurde zurückgerudert.
    Dann ging es um die arabisch-islamischen Parallelgesellschaften. Pfeiffer schnupperte Morgenluft, hatte eine neue Spielwiese....

    Wann verschwindet der Typ endlich?

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  5. Tja so ist es halt, wenn geistiges Mittelalter auf gesellschaftliche Realität trifft.

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  6. Und Gott segnete Noah und seine Söhne und sprach: Seid fruchtbar und mehret euch und erfüllet die Erde!

    Auch ihr Gott ist nicht auf deren Seite.

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