Donnerstag, 13. Januar 2011

Chance vertan

Dem Hamburger Medienrechtsanwalt Matthias Prinz ist es nicht gelungen, die Ausstrahlung einer Panorama-Reportage über den AWD-Gründer Carsten Maschmeyer zu verhindern. Der Handelsvertreteblog berichtete hier. Den dazugehörigen Film gibt es hier und der Kollege Kompa äußert sich hier.

Wenn Kollege Prinz und sein Mandant allerdings gesehen haben sollten, was dort ausgestrahlt wurde, werden sie sich über ihren juristischen Misserfolg kaum mehr grämen. Es wäre sicherlich eine Herausforderung gewesen, das Phänomen Maschmeyer zu hinterfragen, die Panorama-Reportage hat diese Chance voll vergeigt.

Man sieht einen pseudo-empörten Redakteur, der versucht, ein Interview zu bekommen, das er erkennbar gar nicht haben will - sonst könnte man ja nur halb so schön über die Zielscheibe der Reportage herziehen. Diese aufdringliche und dümmlich-naive Art treibt den Zuschauer über die Dauer des Films zu etwas, dass er kaum je erwartet hätte: Man empfindet Verständnis für den Protagonisten, der keine Lust hat, sich fünf Minuten vor einem Auftritt von einem nassforschen Berufsempörten anpampen zu lassen.

Was hätte man über das Prinzip des Strukturvertrieb in 30 Minuten nicht alles Kritisches sagen können: alles verschenkt. Man belässt es stattdessen dabei, zwei weinende AWD-Kunden zu zeigen, die sich auch nicht erklären können, warum sie damals diese komischen Fonds gekauft haben, obwohl sie die doch gar nicht verstanden hatten. Muss wohl eine Art Blackout gewesen sein. Oder war es doch nur die schiere Gier?

Eine davon möchte sogar der Vroni einen Brief schreiben und ihr erzählen, was ihr Maschi für einer ist. Und auch Walter Riester mag sich nicht vor laufenden Kameras vorführen lassen. Welch Wunder.

Sorry ARD: Das war echt nur peinlich.

Kommentare:

  1. Und dann noch dieser böse, böse Pressesprecher, der sich spontan bei einer Kinopremiere auf zwei kokrete Fälle angesprochen, die sich vor seiner Zeit als Pressesprecher eignet hatten, doch tatsächlich nicht dafür entschuldigen möchte. So etwas aber auch.

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  2. Ist die Website der MaschmeyerRürup AG ernst gemeint oder Satire? Insbesondere die Medienzitate: http://www.mr-ag.com/medien.html

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  3. Finde auch, das eine Chance die Wirkungsweise von Strukturvertrieben (gibt ja nicht nur den AWD) klar darzustellen.

    Den sogenannten "Reporter" habe ich mit der gleichen "ich bin ja so empört, ich kann es gar nicht fassen" Masche schon mal in einer anderen "Reportage" gesehen (Kik?) - gleicher Stil, gleiche Masche. Irgendwie eher was für RTL oder Springer, aber bitte nicht im ÖR!

    An sich ist an der Sache sicher was dran, aber vom ÖR hätte ich etwas Seriöseres, Fundierters, mit mehr Hintergrund Informationen Versehendes erwartet und nicht nur einen "Reporter", dessen Aggregatszustand darin zu bestehen scheint, ständig vor Betroffenheit und Empörung am Rande des Herzinfarktes zu stehen.

    Yosh

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  4. Scharnold Warzenegger14. Januar 2011 um 05:59

    Der AWD hat als Strukki-Vertrieb sicher einige Mängel. Aber Herrn Maschmeyer - der mir hochgradig unsympathisch ist - als Übeltäter hinzustellen, ist wirklich daneben. Was kann der dafür, wenn ein paar Strukkis (die er möglicherweise nicht mal kennt) nicht richtig über Risiken aufklären? Herr Maschmeyer kann wohl kaum bei jedem Gespräch daneben sitzen und den Inhalt kontrollieren. Was bleibt ist ein Beratungsprotokoll und wenn das OK ist, muß die Firma das so hinnehmen.

    Im Übrigen: wer einen Mangel an seinem Auto hat, der wendet sich doch auch an den Händler/Verkäufer und nicht an den Hersteller. Warum also soll Herr Maschmeyer nun den Kopf hinhalten?

    Mich macht es betroffen, daß Kleinanleger der Marke "Gier frisst Hirn" nicht verstehen wollen, daß es mehr Rendite nur mit mehr Risiko gibt. Und wenn es dann schief geht, was in der Tat übel ist, wurde man angeblich gar nicht aufgeklärt, jemand Anderes soll es bitte bezahlen.

    Der AWD ist mir zuwieder, aber die jammernden Anleger finde ich noch widerlicher.

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