Montag, 15. August 2011

16 oder: Warum trat Herr von Boetticher zurück?

Ungewöhnliches hat sich ereignet zwischen Nord- und Ostsee. Der designierte Nachfolger von Wattwurm-Harry Peter Carstensen hat seinen Rücktritt erklärt vom nicht existenten Amt des Anwärters auf das Amt des Ministerpräsidenten.

Aber warum? Man erinnert sich an mindestens ein halbes Dutzend CDU oder FDP-Politiker, die während ihrer Amtszeit als Straftäter überführt wurden und selbst auf öffentlichen Druck nicht zurücktraten. Herr von Boetticher nun hat keine Straftat begangen, er hatte eine Affäre mit einer Sechzehnjährigen. Das ist erlaubt und war angeblich sogar von deren Familie gebilligt.

Als etwas befremdlich könnte man allenfalls empfinden, unter welchen Umständen er diese Affäre beendet hat: Nämlich laut Presseberichten just, als er zum Kandidaten für das Ministerpräsidentenamt gekürt werden sollte und offenbar fürchtete, die Affäre könnte ihn das Amt kosten. Das hat es nun. Trotzdem.

Aber warum? Etwas Verbotenes hat er nicht getan. Und er hat es sogar noch von sich aus beendet, wenn man dieses Verhalten auch für etwas ungalant halten könnte.

Warum also? Die Opposition hat dieses Mal nichts gefordert, die war erstaunlich ruhig. Offenbar waren es die berüchtigten eigenen Parteifreunde, die Herrn von Boetticher zu seinem Schritt gedrängt haben. Aber warum? Erinnert man sich nicht mit Hochachtung an Dutzende von Politikern aller Couleur, die Affären nebenher laufen hatten? Von August dem Starken ganz zu schweigen, der seinen Beinamen ja bekanntlich der Anzahl seiner leiblichen Nachkommen verdankte?

Warum also? Hatte man da etwa Angst, der künftige Landesvater könnte beim bigotten Landvolk an Zustimmung verlieren? Mehr als wäre er - sagen wir mal - wegen Steuerhinterziehung im Millionenbereich verurteilt worden? Politiker scheinen ihrem Wahlvolk wirklich erstaunliches zuzutrauen und zuzumuten. Oder ist es umgekehrt?

Kommentare:

  1. Müssen Politiker eigentlich immer nur dann den Hut nehmen, wenn sie eine Straftat begangen haben? Für mich macht es dann doch wirklich einen gewaltigen Unterschied, ob ein 39-jähriger mit einer 16-jährigen anbandelt, oder ein 49-jähriger mit einer 26-jährigen. Von Jopi Heesters mal ganz zu schweigen.

    Ich halte den Rücktritt für richtig, wundere mich allerdings, wie Herr v.B überhaupt die Kandidatur annehmen konnte.

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  2. Es gibt doch kaum noch einen Politiker, der aus nichtigeren Gründen zurücktritt. Heutzutage ist doch weder eine Ermittlung in einem Strafverfahren, noch eine Verurteilung ausreichend, damit diese abgehobenen Funktionsträger ihre Bodenhaftung zurückgewinnen.

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  3. Gabi Weidenhagen15. August 2011 um 01:23

    Wahrscheinlich passte es nicht in die christdemokratische Gedankenwelt, dass ein 39-jähriger sich in eine 16-jährige verliebt. Genauso, wie man als schwuler Schützenkönig in Münster nicht den kirchlichen Grundsätzen entsprechen kann.

    Liegt es vielleicht auch einfach nur am Neid der älteren Herren, da sie ihr Dasein mit den vor Jahren angetrauten, und jetzt ergrauten, Ehegattinnen fristen müssen?

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  4. [Ein anderer Anonymus]
    Ich schließe mich Herrn Munzinger an. (Reicht das schon für die Produktion einer "hM"?)

    1) Gleichgültig darf und muss der Öffentlichkeit sein, was konsensfähige Erwachsene miteinander treiben. (Eine Ausnahme würde ich davon nur machen, sollte herauskommen, dass sich CDU-Innenpolitiker von einer Domina durchpeitschen lassen. Das wäre zu passend, um umbeachtet zu bleiben.)

    2) Mir stößt weniger auf, dass eine 16-Jährige womöglich unreif ist. Ich frage mich aber: Wie unreif ist wohl ein Mann in seinen späten 30ern, der sich in solch ein Gör verguckt?

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  5. Er hat es beendet, als sich die Spitzenkanditatur abzeichnete. Sooo groß war die Liebe also.
    Kleines verkommenes Würstchen - und deshalb als MP sogar in SH ungeeignet

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  6. Herr Nebgen, Sie treffen den Nagel mal wieder auf den Kopf. Chapeau! Natürlich sind es wieder einmal die guten Partei"freunde", die hier den Ausschlag gegeben haben. Nicht überraschend steht mit Herrn De Jager schon ein Ersatzkandidat parat.

    Offenbar war der Wunschkandidat des Ministerpräsidenten nicht der Wunschkandidat der Fraktion. Genauso lief es doch damals in BaWü ab, als Teufel Schavan als seine Nachfolgerin wollte. Da wurden ein paar Gerüchte über ihre angebliche Homosexualität gestreut und dann eine Urwahl abgehalten, bei der sie unterging.
    Schaut man mal an, was andere für einen Dreck am Stecken haben (Stichworte: Bouffier in Hessen, Tillich in Sachsen, nicht zu vergessen die Geschichte von Althaus in Thüringen), wird klar, dass hier eine Kleinigkeit aufgebauscht wird.

    Von Boetticher ist arm dran. Er wird jetzt als Lüstling etc. etc. dargestellt. Bei anderen Politikern mit wesentlich jüngeren Geliebten und Frauen, wie Müntefering, Fischer oder Laurenz Meyer wurde so etwas nicht thematisiert. Und wer erinnert sich noch daran, dass Herbert Wehner seine Stieftochter heiratete?

    Ohne ein Anhänger des Herrn von Boetticher zu sein: Er tut mir leid. Die Häme, die jetzt über ihn hereinbricht, hat er sicher nicht verdient.

    Bleibt nur zu hoffen, dass diese Schleswig-Holstein-Intrige ausgeht, wie damals die BaWü-Intrige: Herr Oettinger hatte sein Amt nur kurz. Und mittlerweile sind die Schwarzen dort nicht mehr dran. Für die Parteien, in denen solche Intrigen gesponnen werden können, sind sie nie gut.

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  7. Es ist schon allen klar, dass die S-H-CDU'ler nur einen Vorwand gesucht haben, den ungeliebten Thronerben los zu werden?

    Das mit dem Altersunterschied ist eine reine Geschmacksfrage, die einen haben kein Problem damit, dass Liebe auch mal Altersgrenzen überspringt, nicht nur "rassische", sexuelle oder soziale [alle drei bei so manch Konservativen mindestens so i-bah wie 16-jährige, die ein Gefühls- und Geschlechtsleben haben könnten].

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  8. Meine Tochter ist jetzt drei. Wenn Sie 16 ist, und dann vollauf mit der Spätphase der Pubertät und mit Selbstfindung beschäftigt ist, und dann würde sie einen fast 40jährigen Knacker anschleppen, hielte meine Begeisterung sich auch in äußerst engen Grenzen. Boettichers Tränen haben bei mir auch einen recht schalen Geschmack hinterlassen. Galten diese doch wohl augenscheinlich nicht der verflossenen großen Liebe, sondern der implodierten Politikerkarriere.

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  9. Scheinheilige Katholen, die selbst die Nase rümpfen und mit dem Finger auf andere zeigen, sollen erst einmal vor der eigenen Haustür kehren und ihre Pfaffen, die sich an kleine Kinder heranmachen, rausschmeißen.

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  10. Also für mich macht es moralisch keinen Unterschied, ob das Mädchen nun 15 oder 16 Jahre alt war. Das ist in meinen Augen noch ein Kind! Das erste Treffen fand der Presse nach in einem Hotel statt, wo es auch direkt zum Sex kam, aber es war natürlich Liebe. Weil man sich mit 16 und fast 39 ja so gut unterhalten kann, den gleichen emotionalen Background und bestimmt auch die gleiche Lebenserfahrung hat. Komischerweise verteidigen meistens Männer so ein Verhalten. Neidisch?^^

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  11. Jetzt stellt sich heraus, dass er seit Oktober 2010 heimlich verheiratet ist.
    Merkwürdig.

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  12. @Anonym 00:14

    Ob 17 oder 18, das macht moralisch keinen Unterschied, das ist in meinen Augen noch ein Kind!

    So ist das nun einmal, wenn man allgemein gültige diskrete Grenzen in ein Kontinuum einzieht - so manche ist mit 25 geistig-seelisch noch nicht reif genug für eine Beziehung zu einem älteren [read: >25] Mann, die andere steckt locker schon mit 15 so manch 50-jährigen in die Tasche. Meine Eltern waren erst mit 21 alt genug, sagte zumindest das Gesetz - und nahm meiner Mutter nach der Eheschließung jedes Entscheidungsrecht. Der Kuppelparagraf verbot jungen Leuten ohne Trauschein gemeinsame Unterkünfte ...

    Die eigenen Geschmacksgrenzen sind zum Glück nicht Grundlage unseres Rechts. Die Verliebtheit des Herrn von B. bzw. seiner Freundin - deren Seite nur als vermutetes Opfer kolportiert wird - mag vielen eklig sein, ist aber nicht verboten.

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  13. Wenn mir als 40-jährigen eine hübsche 16-jährige schöne Augen macht und selbst ihre Familie die Beziehung billigt - wo ist das Problem?

    Ich glaube, hier war eher Neid das Motiv.

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