Dienstag, 11. März 2014

The Universal Steuerhinterzieher


In Deutschland gibt es einen Typus Mensch von einem ganz besonderen Schlage; wir wollen ihn hier einfach mal Egon Dick nennen. Egon Dick ist erfolgreicher Unternehmer, häufig im ländlichen Umfelde. Er macht in Beton, Kuhmilch oder Schweinezucht, sein Unternehmen hat er vom Vater übernommen und zu großem Erfolg gebracht.

Egon Dick ist im örtlichen Schützenverein, sponsert den Fußballclub vor Ort und, zumindest wenn er in Nordrhein Westfalen lebt, ist Egon Dick auch Vorsitzender des Karnevalsvereins. Er geht Sonntags zur Kirche und gilt als das, was man "angesehenes Mitglied der Gesellschaft" nennt. Er gilt als sozial engagiert, denn er spendet großzügig den Gemeinschaften, denen er nahe steht. Nach der Geburt seines ersten Sohnes hat Egon Dick der Gemeinde einen Spielplatz geschenkt.

Seine Angestellten bezahlt Egon Dick über Tarif, wenn sie, wie er sagt, "etwas taugen" und meint damit, dass sie seine allumfassende Kompetenz anerkennen und ihm nicht widersprechen.

Aber Egon Dick zahlt keine Steuern. Denn in der Regierung sitzen ja wieder nur die Sozis, die nicht mit seinem Geld umgehen können. Da bringt Egon Dick seine Einkünfte lieber in Sicherheit und bestimmt selbst, wie sein Geld eingesetzt werden soll. Hier mal eine Million für den klammen Fußballverein, da mal eine Million für die Ausbesserung der Straßen, auf denen er mit seinem Mercedes fährt. Und alle jubeln ihm zu.

Egon Dick ist ein Gesetzloser. Denn Egon Dicks Selbstverständnis entspricht nicht dem eines Bürgers im demokratischen Rechtsstaat, sondern eher dem eines Lehnsherrn im mittelalterlichen Feudalismus. Egon Dick akzeptiert den Rechtsstaat nicht, er ist sein eigener Staat. Er setzt seine eigene Meinung an die Stelle von Recht und Gesetz.

Egon Dick ist eine Gefahr für die Gesellschaft, aber sie weiß es nicht. Egon Dick ist ein Verbrecher.


NACHTRAG:  Die Person des Egon Dick ist übrigens weniger von der Person Uli Hoeness inspiriert als vielmehr von den zahlreichen im Internet zugänglichen Kommentaren zum Prozess. Es kann einem gruseln.

Kommentare:

  1. tja, wie in dern 80ern in einem kleinen Dorf in NRW.
    Jeder wusste warum die Nachbarn nach Österreich oder in die Schweiz fahren. Selbstständig. Viel auf Bar ohne Rechnung. Auch die Mitarbeiter keulten noch am Samstag oder Feierabend mit Wissen des Chefs.
    Auch gab es viele Sachen im lokalen Markt , die vo LKW gefallen waren.

    Und es gab Leute die den Offenbahrungeid leisten mussten und trotzdem mit dem neuen Benz durchs Dorf fuhren.

    Achja und dann noch die Bauern... die haben ohne Ende Subventionstöpfe angezapft... Feldwege wurden kaputt gepflügt... Bächer zugeschüttet, Hecken abgerissen, natrlich aus versehen.... und der Bürgemeister ließ eine alte Eiche auf dem Friedhof fällen, weil das Grab seiner Mutter im Schatten immer Moos ansetzte...

    Im Unterschied zu heute, hatten aber viele Menschen ein geregeltes Einkommen, da hat man sich zwar aufgeregt aber richtig mit den Schmarotzern anlegen wollte dann auch keiner... HEUTE, nachdem die Sozialkultur in diesem Lande ruiniert ist, sind halt mal die asozialen Steuerbetrüger dran... Endlich mal eine Gruppe die es zur recht trifft.

    Nur, das hätte schon vor 20 Jahren passieren können.

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  2. Ganz meine Meinung Herr Nebgen !

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  3. Manchmal ist der Vorsitzende (oder Präsident) des Karnevalsvereins aber auch ein Fachanwalt für Strafrecht, der ansonsten immer gerne Ihre Kommentare liest ;-).

    Mit freundlichem kollegialen Gruß
    Rechtsanwalt Moritz E. Peters, Monheim am Rhein

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  4. Ach ja, den örtlichen Fußballklub sponsern wir übrigens auch... . Der beste Weg um ein bisschen kritischen Geist unters Volk zu bringen, ist es sich als Teil desselben zu verstehen und dort einzubringen.

    Ihre Glosse ist natürlich trotzdem nicht ganz falsch, aber von gesellschaftlichem Engagement auf strafbares Handeln zu schließen ist dann doch ein übers Ziel hinaus geschossen.

    Wir Strafrechtler haben natürlich auch immer nur mit den Egon Dicks dieser Welt zu tun, vielleicht verengt das manchmal unseren Blickwinkel.

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  5. "Egon Dick ist eine Gefahr für die Gesellschaft, aber sie weiß es nicht. Egon Dick ist ein Verbrecher."

    Ne, so wird das nix.

    "Egon Dick ist eine Gefahr für die Gesellschaft, aber sie weiß es nicht. Daher wählt sie Egon Dick und die seinen in politische Ämter um dort die Gesetze so zu machen, dass Egon Dicks Verhalten legalisiert wird. Wegen der Arbeitsplätze. Und der Konkurrenzfähigkeit gegenüber dem Ausland. Und der Alternativlosigkeit. Und überhaupt muss sich Leistung lohnen. Egon Dick tut immer noch, was er immer tat, ist aber nun kein Verbrecher mehr."

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