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Mittwoch, 3. November 2010

Freiwillig verweigert!

Das ist wirklich ein Unding! Im - tragischen - Fall des verschwundenen Mirco aus Grefrath hat ein Bürger die freiwillige Speichelprobe verweigert! BILD berichtet in üblicher Manier hier. Dort heißt es in der gewohnt volksverblödenden Weise wörtlich:

"Ist er nur ein Querulant oder hat er etwas zu verbergen? Im Falle des verschwundenen Mirco (11) aus Grefrath hat ein Passat-Fahrer die Abgabe der freiwilligen Speichelprobe verweigert!"

Nein, liebe BILD-Zeitung, das ist weder ein Querulant noch müsste er zwingend etwas zu verbergen haben, aber schön, dass ihr ihn vorsorglich trotzdem schon mal denunziert: Hier hat einfach jemand an einer freiwilligen Speichelprobe nicht teilgenommen. Deswegen heißt sie ja freiwillig. Man kann, aber man muss nicht. Gründe angeben muss man auch nicht, sonst wäre das ja schon wieder ein Zwang.

Also: Alles ganz easy.

Dahinter steckt allerdings eine prozessual ernsthafte Frage: Wozu das Ganze, wenn es doch freiwillig ist? Und was passiert mit den freiwilligen Verweigerern, deren Speichelprobe man nicht bekommt? Der Verweigerer wird nicht automatisch durch die Verweigerung zum Beschuldigten - das wenigstens hat die Polizei begriffen und auch die BILD-Zeitung zitiert es immerhin.

Zur Speichelprobe zwingen wird man den Verweigerer erst dann können, wenn konkrete Verdachtsmomente gegen ihn vorliegen. Die scheint es nicht zu geben, sonst hätte man es ja schon gemacht. Also wird die Polizei jetzt Verdachtsmoment suchen. Und wehe dem, gegen den die Polizei Verdachtsmomente sucht!

Wie durch Geisterhand hat sich da meist noch immer irgendetwas gefunden.

Montag, 5. Juli 2010

Andersartige Lemminge im Fokus

In der deutschen Presselandschaft gibt es Publikationen, die sind seit jeher für ihren politischen Standpunkt bekannt. Die BILD ist konservativ, der Stern ist linksliberal und die taz ist nur links.

Diese altbewährte Einteilung ermöglicht dem geübten Leser, seine eigene Meinung im Blätterwald wiederzufinden und so zu verhindern, dass er ungewollt andersartigen Ansichten ausgesetzt wird. Sonst würde er von denen am Ende noch hinterrücks überzeugt - Wer will das schon!

Deswegen ist es für eine gewollt konservative Zeitschrift wie den Focus zwingend erforderlich, sich vom Klassenfeind - dem Spiegel - inhaltlich um jeden Preis abzusetzen. Das ist leicht, wenn es um Personen geht, die sich recht einfach im politischen Spektrum einordnen lassen. Wulff ist CDU, also gut; Gauck ist SPD, also schlecht.

Wie aber ordnet man ein parteipolitisch neutrales Geschehen in der politischen Landschaft ein? Wie verhält man sich z. B. im Fall Kachelmann, der ja nun keiner Partei ohne weiteres zuzuordnen ist? Der Focus macht es vor: Man wartet einfach ab, was die Konkurrenz schreibt und ist dann dagegen. So wie ein Lemming, der in die falsche Richtung läuft. Das ist in diesem Falle - mal wieder - derartig erbärmlich geworden, dass man sich fragt, ob beim Focus eigentlich Journalisten arbeiten.

Aber die tun wohl einfach nur ihren Job.