Donnerstag, 24. Februar 2011

Nichts reimt sich auf Karl-Theodor

In einigen entfernten Winkeln des Internets, in denen noch nicht - oder nicht mehr - über Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg gefachsampelt wird, da geht die Rede noch um wirklich wichtige Dinge, z. B. um Deutsche Dichtkunst.

Denn ein unkomischer Kauz mit Namen Barth hat sich einen Ausspruch schützen lassen, wonach sich gewisse Frauennamen auf nichts reimten. Diesen unzutreffenden Umstand hatten Jahrzehnte zuvor auch schon richtige Komiker erkannt und kundgetan. Und die wehren sich jetzt gegen das Plagiat. Nein, nicht gegen den Guttenberg, gegen diesen anderen Dings, äh, Barth. Sie haben einen Löschungsantrag gestellt, alles weitere hier.

Dort gibt man dem Löschungsantrag wenig Aussicht auf Erfolg. Wie die Kollegen weiß auch ich nicht, worauf sich der Löschungsantrag stützt; ich nehme aber an, nicht auf Vorbenutzung. Eher vielleicht auf so etwas wie Freihaltungsbedürfnis. Schließlich muss man ja noch Witze über Uschi machen dürfen, ohne Tantiemen an diesen unkomischen Kauz zahlen zu müssen!

Sollten die Kollegen aber recht haben, und dieser Spruch tatsächlich schutzfähig sein, eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten: Dann lasse ich mir z. B. den Satz "Ich beantrage eine Freiheitsstrafe" schützen und nehme die Staatsanwaltschaft mannigfaltig auf Unterlassung in Anspruch. Hurra!

Mittwoch, 23. Februar 2011

Intensive Arbeit an der Quelle

"Intensive Quellenarbeit" hat Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg heute in seiner Rede vor dem Bundestag gefordert. Es gebe "eine nicht unerhebliche Anzahl von Vorwürfen", die er als "außerordentlich fragwürdig" empfinde. Die Opposition hat gelacht.

Möglicherweise hat der Bundesverteidigungsminister da etwas verwechselt. Vielleicht hat er sich als Angeklagten empfunden, dem seine Missetaten nachgewiesen werden müssten. Da hat er sich dann aber geirrt.

Denn "intensive Quellenarbeit" muss derjenige leisten, der eine Promotion schreibt - nicht diejenigen, die sie auf Fehler kontrollieren. Was ist übrigens mit dem Doktorvater, der die Promotion mit seinem Kandidaten angeblich regelmäßig intensiv besprochen haben will? Laufen da auch schon Rücktrittsforderungen?

Dass man die Arbeit, die man einreicht, auch selbst geschrieben hat, muss man bei Abgabe der Arbeit übrigens an Eides Statt versichern. Außer in Bayern, da genügt angeblich ein Ehrenwort.

Und wenn hier jemand behauptet, der Herr Verteidigungsminister hätte seine Arbeit nicht selbst geschrieben, dann - da gebe ich Ihnen mein Ehrenwort - ist das erstunken und erlogen.

Dienstag, 22. Februar 2011

Uwe, Helmut, Kristina und Karl-Theodor

Die Konservative scheint ein gestörtes Verhältnis zur geistigen Elite zu haben. Einerseits möchte natürlich jeder dazugehören, anderseits will man es sich auch nicht mit den einfachen Leuten verscherzen, denen allzu hohe Intelligenz verdächtig vorkommt und bei denen diese Engstirnigkeit häufig noch als Renommée gilt. Den Ausführungen im Verfassungsblog ist insoweit fast nichts hinzuzufügen.

Die Wissenschaft haben die Konservativen dabei häufig zwar als Mittel zum Zweck erkannt, nehmen sie aber im Kern nicht ernst. Wie sonst wäre es zu erklären, dass es immer wieder konservative Politiker sind, die sich mit wissenschaftlichen Titeln schmücken, hinter denen nichts steckt? Ebenfalls bemerkenswert ist die Gleichgültigkeit, mit der die Anhänger derlei Missbrauch zur Kenntnis nehmen, ohne - wie sonst immer - nach strengeren Gesetzen oder auch nur nach Ahndung der Verstöße zu schreien. Stattdessen wird verharmlost was das Zeug hält, wo die gleiche Klientel sonst bei kleinsten Verstößen nach Recht und Gesetz ruft.

Das war so bei Helmut Kohl, dessen erfolgreiche Promotion sich nicht einmal dessen Doktorvater selbst erklären konnte, und dessen Doktorarbeit seit dessen plötzlichem Amtsantritt als Bundeskanzler verschollen ist; das war so beim Doppeldoktor Uwe Barschel, der sich mit ein und derselben Arbeit gleich zwei Doktortitel in verschiedenen Fachrichtungen verschafft hatte und daraufhin auch von eigenen Parteifreunden als Dr. Uwe Uwe Barschel verballhornt wurde; und es ist so bei Karl-Theodor zu Guttenberg. Dabei haben wir über die aktuelle Familienministerin Kristina Schröder geb. Köhler noch gar nicht geredet, die sich bei ihrer Promotion gleich von der Bundeszentrale der CDU hat zuarbeiten lassen, was in letzter Zeit zu Unrecht etwas aus den Schlagzeilen verschwunden ist.

Das alles kann man eigentlich nur mit Bestürzung zur Kenntnis nehmen, aber Hundertausende von Freiherren-Fans halten ungerührt zu ihrem Idol, wie sie es auch in früheren Fällen getan haben. Was kümmern uns Recht und Gesetz, wenn es um unsere eigenen Leute geht.

Montag, 21. Februar 2011

Dümmliches Nachtatverhalten

Es gibt Straftaten, die hätte niemand so richtig für voll genommen, hätte der Täter sie nicht anschließend dilettantisch zu vertuschen versucht. Durch tapsiges Nachtatverhalten hat so macher Betrüger erst wirklich auf sich aufmerksam gemacht.

So wird manche Steuerhinterziehung erst dadurch richtig zur Straftat, dass man die zu Tage getretenen Auffälligkeiten ungelenk zu erklären versucht, anstatt an der richtigen Stelle entweder zurückzurudern oder durchzustarten. Wer ohne Fahrkarte vor dem Kontrolleur steht, sollte nicht lang und breit zu erklären versuchen, warum es ihm heute wirklich nicht möglich war, eine Fahrkarte zu lösen, sondern Verantwortung übernehmen. Oder sich nicht erwischen lassen.

Den gleichen Fehler macht jetzt der Herr (Dr.) Karl-Theodor Nicht-Wilhelm Freiherr zu Guttenberg, wenn er seine Schummeleien kleinzureden versucht. Recht hat der Kollege Kompa, wenn er meint, hier wäre ein zeitiges Geständnis die beste Strategie gewesen. Stattdessen müssen wir uns zähe Ausreden anhören, die so unglaubhaft sind wie nur was.

Wer bitte würde sich nicht genauestens daran erinnern, ob er die einleitenden Worte einer Abschlussarbeit sich mühsam abgerungen oder aber anderswo geklaut hat? Wer behauptet, das vergessen zu haben, der lügt. Und ist offenbar der Meinung, alle anderen würden ihm auch den hinterletzen Unsinn abnehmen, wenn man dabei nur gut aussieht. Das zeugt neben einer erstaunlichen Dummdreistigkeit auch von mangelndem Respekt gegenüber den Menschen.

Wer schon bei Kleinigkeiten derart dreist lügt, dem ist bei den wirklich wichtigen Fragen des Lebens erst recht nicht zu trauen. Wer nicht den Schneid hat, einfache Fehler zuzugeben, der wird uns bei großen Fehlern geradewegs in die Katastrophe führen. Und deshalb ist eine Unterstützungsaktion, wie sie gerade auf Facebook für den Freiherrn läuft, blanker Hohn und ein Schlag ins Gesicht ehrbarer Bürger. Abschalten!

Und abtreten, allesamt!

Kinder in die Kabinen!

Gestern war bekanntlich Wahl in Hamburg. Beim Gang zur Wahlurne hatte ich aus familiären und logistischen Gründen meine fünfjährige Tochter dabei. Als ich ihr die Wahlkabine zeigen und ihr das Prinzip einer demokratischen Wahl erklären wollte, wurde ich von der Wahlhelferin jäh zurückbeordert.

Kinder dürften nicht mit in die Kabinen. Das Kind müsse auf einem Stuhl am Eingang Platz nehmen. Als Grund hierfür wurde mir das Wahlgeheimnis genannt.

Das ist eine harmlose Variation dessen, was passiert, wenn Macht und Unwissenheit zusammentreffen, denn diese Begründung ist natürlich Quatsch, wenn auch resolut geäußert und durchgesetzt.

Das Wahlgeheimnis erfordert zwar, dass ein in seinem Wahllokal wählender Wähler seine Stimme grundsätzlich geheim, also unbeobachtet muss abgeben können ; Stimmzettel, bei deren Kennzeichnung der Wähler beobachtet wurde, dürfen im Prinzip nicht in die Wahlurne geworfen werden. Aber wie alle Normen muss man auch diese unter dem Gesichtspunkt ihres Sinnes und Zweckes betrachten. Wer immer nur am Wortlaut klebt, verliert.

Denn der Wortlaut einer Vorschrift entbindet eben noch nicht vom eigenständigen Denken und Anwendung kritischer Vernunft. Sinn und Zweck des Wahlgeheimnisses ist wohl kaum, Eltern in ihre Erziehung hineinzureden, sondern allenfalls, Wähler vor Druck oder Beeinflussung von außen zu schützen. Wer Druck oder Beeinflussung von seinem fünfjährigen Kind befürchtet, mag Briefwahl beantragen und mit dem Ankreuzen warten, bis das Kind im Bett ist. Falls das Kind schon lesen können sollte, was unwahrscheinlich ist.

Im Kleinen wie im Großen sollte man von Rechtsanwendern, denen ein gewisses Maß an Macht eingeräumt ist, wie z. B. Richtern, Staatsanwälten oder Polizeibeamten, aber auch Wahlhelfern, erwarten, dass sie die Norm, die sie gerade anwenden, auch verstanden haben.

Das ist im Großen wie im Kleinen leider längst nicht immer der Fall.

Freitag, 18. Februar 2011

Adels- UND Doktortitel abschaffen!

"Servus, Herr Doktor", wird man in Österreich allenthalben begrüßt, gleich ob promoviert oder nicht. Das ist echte Gleichheit. Da ist der Österreicher einen Schritt weiter als der Bundesdeutsche. Noch einen Schritt weiter, ist man versucht zu sagen - Adelstitel hat er nämlich auch schon abgeschafft, der Österreicher. Da hieß selbst der Pretendent auf den Kaiserthron nur Herr Habsburg.

In Deutschland ist das zwar eigentlich genauso, gleichwohl dürfen Adelsprädikate weiter verwendet werden und jeder Freiherr ist gekränkt, wenn man seinen Blaubütigkeit signalisierenden Appendix weglässt.

Also Deutschland, geht endlich den ganzen Weg: Weg damit! Adel ist von gestern und Doktortitel waren eh stets nur Nachweise dafür, dass man sich einige Monate seines Lebens sinnlos den Arsch breitgesessen hatte. Oder meint etwa jemand, die Promotionsschrift "Die Geschichte des Tags der Deutschen Einheit seit 1954" (gibt es wirklich!) wäre ein ernsthafter Beitrag zur Forschung und nicht bloß Vorwand, ein paar Tausend Euro Einstiegsgehalt mehr zu fordern?

Wie dank Freiherr zu Guttenberg alle wissen, muss man sich für den Doktortitel heutzutage nicht einmal mehr den Arsch breitsitzen. Copy and paste und schwupp: Fertig ist die Diss. Das braucht keiner. Geht lieber arbeiten!

Die Ärzte, die wissen das schon lange; und fragen den potentiellen Promotionsstudenten vor der Themenwahl, ob der Doktor für die Lehre oder nur fürs Schild sein soll. Die dürfen ihren Doktor alle behalten. Schließlich will ich ja auch vom Onkel Doktor behandelt werden, und nicht bloß vom Onkel.

Von wem reden die?

In Hamburg finden am Sonntag mal wieder Wahlen zur Bürgerschaft statt, so heißt hier das Parlament. Anders als in anderen Bundesländern wird in Hamburg durchschnittlich alle zwei Jahre gewählt, manchmal sogar noch öfter. Das liegt daran, dass der verwöhnte Hamburger seine Stimme manchmal etwas voreilig an Kleinstparteien vergibt, die dann während der Legislaturperiode auseinanderbröseln. Oder weil er sich einfach nicht entscheiden kann. Und dann muss neu gewählt werden.

Wie jedes Mal haben die Parteien auch dieses Mal von unserem Geld überall Wahlplakate hingestellt. Auf allen Plakaten mit Ausnahme derer der Linkspartei sind Gesichter zu sehen, dazu mehr oder weniger griffige Slogans. Wahlkampf mit politischen Inhalten findet so gut wie nicht statt, das ist heutzutage wohl so.

Am auffälligsten sind dieses Mal die Slogans der so genannten CDU. Dem Vernehmen nach hat die sich dieses Mal - möglicherweise aus Finanznot - für etwas entschieden, das man als "Inhouse-Kampagne" bezeichnet hat. Soll heißen: Die Partei hat sich ihre Slogans dieses Mal selbst ausgedacht. Das merkt man.

"Wenn Sie für City-Maut und Schulchaos sind, müssen Sie rot-grün wählen", steht da zum Beispiel. Nun, die City-Maut hätte ich liebend gerne, dann könnte man im Innenstadtbereich endlich wieder atmen. Nur leider gibt es in Hamburg keine Partei, die das fordert. Die wollen ja alle von den Autofahrern gewählt werden. Von wem also soll da die Rede sein? Und das angebliche Schulchaos, wer war dafür noch gleich verantwortlich? Das war die CDU selbst, die mit dem Versuch einer Schulreform - die der seinerzeitige Bürgermeister sogar zur Chefsache erklärt hatte - übel abgeschmiert ist. Und last but not least: Rot-Grün kann man nicht wählen, auch wenn es auch am Ende herauskommen mag.

Drei Satzteile, drei Fehler: Das ist auch für eine "Inhouse-Kampagne" beachtlich. Aber es geht noch toller: Unmittelbar vor der Wahl hat die so genannte CDU ihre Plakate mit einem zusätzlichen roten Kleber versehen, auf dem steht: "Echte Erfolge statt unseriöser Versprechen". Da gerät man jetzt aber wirklich ins Grübeln: Was mögen die meinen?

Meinen die vielleicht das Debakel mit diesem Konzertsaal, dessen Kosten völlig aus dem Ruder gelaufen sind, oder die überflüssigen Milliardenausgaben für zwei U-Bahnstationen ins Niemandsland, vom Bürgermeister a.D. einstmals als "Leuchttürme" bezeichnet? Oder meinen die mit Erfolg, dass sie es geschafft haben eine Schulreform zu verhindern, die sie selbst mitverantwortet haben?

Das fragen sich wohl auch die Verantwortlichen der "Inhouse-Kampagne" selbst, denn woanders titeln sie: "25 % weniger Kriminalität. Und nu?"

Na, ist doch klar: SPD wählen.